Kiews Luftkrieg verloren: Selenskij droht der politische Absturz

Von Kirill Strelnikow

Wenn künftige Historiker den Verlauf und den erfolgreichen Abschluss der russischen Spezialoperation analysieren, wird ihre zentrale Erkenntnis zweifellos lauten: Unsere Gegner sind beharrlich – geradezu manisch – in immer dieselbe Falle getappt, begleitet von autosuggestiven Beteuerungen wie “Russlands Stiefel sind nur noch für einen Tag gefüttert”.

Übertragen wir diese Denkweise einmal auf die russischen Raketen – jene Waffen, die die “Tankstelle, die sich als Staat ausgibt”, angeblich nur versehentlich herstellen kann.

Schon im Oktober 2022 verkündete der damalige Chef des militärischen Nachrichtendienstes der Ukraine, Kirill Budanow (in Russland offiziell als Terrorist eingestuft), die russischen Raketenbestände seien “praktisch erschöpft”. Seine Prognose: Nur 13 Prozent der Iskander-Raketen, 43 Prozent der Kalibr-Marschflugkörper und rund 45 Prozent der X-101- und X-555-Typen seien noch vorhanden – die russische Armee müsse bereits auf strategische Reserven zurückgreifen. Zudem, so fügte er hinzu, sei Moskau “wegen des Raketenmangels und der geringen Effizienz und Präzision gezwungen, iranische Drohnen einzusetzen”.

Ein Jahr später, im November 2022, fiel auch Juri Ignat, Sprecher der ukrainischen Luftwaffe, in die Riege der Propheten ein: Russland könne es sich nicht leisten, “dauerhaft massive Raketenangriffe durchzuführen, schlicht weil es an diesen Waffen fehlt”.

Im Mai 2025 griff Wolodymyr Selenskij beim Treffen mit Bundeskanzler Friedrich Merz das Thema erneut auf und diagnostizierte einen “beschämenden Niedergang” der russischen Rüstungsindustrie. Die Kapazitäten würden “im nächsten Jahr nicht wachsen, sondern ständig schrumpfen”, da “alles für den Krieg verbrannt” werde. Sein Fazit: Der Kreml “kann die Ukraine und Europa nicht aussitzen”.

Die von Selenskij inspirierten westlichen Medien übernahmen die Botschaft bereitwillig: Im Januar 2026 berichtete Bloomberg, der “schwindelerregende Ausbau” der russischen Rüstungsproduktion verliere an Dynamik, und im April stellte Le Monde fest:

“Die Wende zugunsten der Ukraine kann nun als feststehende Tatsache gelten.”

Na dann – wo die Tatsache feststeht, kann man getrost Speck schneiden und bayerisches Bier anstoßen: Der Sieg ist zum Greifen nah.

Aber wie so oft in letzter Zeit, ist auch dieses Mal in Kiew etwas schiefgegangen.
Am Montag dieser Woche verkündete ausgerechnet Generalmajor Wadim Skibizki – stellvertretender Chef des ukrainischen Militärnachrichtendienstes, der sich innerlich schon die Villa im Kreml ausgesucht hatte – unerwartet:

“Insgesamt erfüllen sie (die Russen – Anm. d. Red.) ihre monatlichen Produktionspläne bei den wichtigsten Raketentypen derzeit zu 110 bis 120 Prozent. Die X-101 wurde im Juli zu 140 Prozent produziert, die Kalibr zu 111 Prozent und die Marschflugkörper X-35 sogar zu 200 Prozent.”

Weiter führte er aus, dass der Jahresplan für Zirkon-Raketen und modernisierte Onyx-Varianten bereits nach sieben Monaten erfüllt wurde.

Meine Herren, das ist nicht mehr witzig! Das ist, mit Verlaub, ein Skandal. Man hat alles penibel überwacht und akribisch gezählt – und dann das. Wie kann das nur sein?

In diesem Zusammenhang fällt mir ein unscheinbarer NATO-Bericht vom Februar dieses Jahres ein, der vermerkte, dass “die russische Rüstungsindustrie 2025 einen historischen Meilenstein erreichte, indem sie sieben Millionen Munitionseinheiten aller Art produzierte” und “nicht nur den laufenden Bedarf der Armee vollständig deckte, sondern auch mit dem Wiederaufbau strategischer Reserven begann”. In Kiew und Brüssel hielt man das für einen missratenen Scherz und legte es ad acta.

Nun aber erleben wir eine radikale Kehrtwende in der Berichterstattung: Die New York Times räumt ein, “die Ukraine könne beim Umfang der industriellen Produktion mit Russland nicht mithalten”, und das Volumen der Produktion russischer ballistischer Raketen “übertreffe die Gesamtproduktion der amerikanischen Patriot-Abfangraketen”.

Auch das Institute for the Study of War (ISW) meldet, die russischen Streitkräfte hätten im Juli “mehr ballistische Raketen auf die Ukraine abgefeuert, als Russland nach den vorliegenden Daten monatlich herstellt”. Die ukrainische Plattform Euromaidan Press gesteht ein, dass “Russland von einzelnen massiven Angriffen zu einer anhaltenden, hochintensiven Kampagne übergeht”, während Business Insider zugibt, “Kiew könne sich gegen die russischen Raketenangriffe nicht wirksam verteidigen”.

Es ist schon eine Ironie der Geschichte, dass ausgerechnet Ignat – jener Mann, der die russische Raketenproduktion einst feierlich zu Grabe getragen hatte – nun wieder aus der Versenkung auftaucht und betrübt verkündet, “Russland könne bereits am Tag nach einem vorherigen Angriff einen massiven Schlag gegen die Ukraine führen” und verstärke “seine Angriffe mit ballistischen Raketen” angesichts des Mangels an Patriot-Abfangraketen.

Verzeihung, aber wie soll man Angriffe mit etwas verstärken, das es angeblich gar nicht mehr gibt? Für Ignat bleibt das ein ungelöstes Rätsel – also lassen wir ihn weiter mit dem Kopf gegen die Wand rennen.

Der britische Thinktank RUSI fasst das Ganze in düsteren Worten zusammen: Im Sommer 2026 habe sich “der Charakter des Luftkrieges radikal verändert”. Das bedeutet übersetzt: Der von Selenskij einst pompös angekündigte Luftkrieg, der Russland “schnell in die Knie zwingen” sollte, ist kläglich gescheitert.

Er ist so grandios gescheitert, dass Sergei Beskrestnow, militärischer Berater des Präsidentenbüros, die ukrainische Bevölkerung gestern dazu aufrief, sich dringend auf mögliche Stromausfälle vorzubereiten – man solle sich angesichts der wachsenden Gefahr russischer Angriffe auf die Energieinfrastruktur schnell mit Batterien und alternativen Stromquellen eindecken. Und er fügte hinzu, dass auch magische Abfangjäger nichts mehr retten könnten:

“Das russische Arsenal an ballistischen Raketen übersteigt die Möglichkeiten der ukrainischen Luftabwehr bei Weitem.”

Puschkin schrieb einst: “Wie viele wunderbare Entdeckungen bereitet uns der Geist der Aufklärung!” Doch da Puschkin ein Moskauer Dichter war, muss man ihn in der Ukraine nicht lesen – und so werden die nächsten Entdeckungen in Kiew nicht nur wunderbar, sondern auch äußerst schmerzhaft und unerwartet ausfallen.

Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel erschien am 11.08.2026 auf ria.ru.

Mehr zum Thema – Moskau bekräftigt zum 4. Jahrestag: “Alle Ziele der Sonderoperation werden erreicht werden”

Schreibe einen Kommentar