NZZ-Chef macht Leipzig zum Opfer: Russlands Angriff mitten in Deutschland?

Von Hans-Ueli Läppli

Eric Gujer tritt ab. Endlich! Und zum Abschied liefert der langjährige Chefredakteur der Neuen Zürcher Zeitung (NZZ) noch einmal genau das, wofür er in den letzten Jahren bekannt wurde: kühne Behauptungen, dürftige Belege und maximaler Zuspitzung. In seinem Abschiedskommentar schreibt Gujer:

“Moskau provoziert – zuletzt mit dem Anschlag am Flughafen Leipzig.”

Nicht “möglicherweise”, wie es der linksorientierte Tages-Anzeiger formulieren würde. Nicht “nach Einschätzung einzelner Fachleute”, wie es die woke Propagandaplattform SRF präsentieren würde. Nicht einmal “Ermittler prüfen eine mögliche russische Beteiligung”. Nein. Für Gujer ist der Fall scheinbar schon geklärt.

Moskau war's.

Nur leider haben die Ermittler das bisher nicht bestätigt. Selbst Bundesinnenminister Alexander Dobrindt sprach lediglich von einem “hybriden Angriff fremder Mächte” – darunter könnten auch ukrainische Gruppen fallen – und wich einer direkten Anschuldigung gegen Russland aus. Die Bundesanwaltschaft ermittelt noch. Der Fall bleibt ungeklärt. Gujer scheint also mehr zu wissen als die Justiz. Oder weniger. Besonders brisant wird es beim Einstieg seines Kommentars.

“Was sich vor einigen Tagen am Flugplatz Leipzig abgespielt hat, verdient, in Geschichtsbüchern festgehalten zu werden. Es war der erste militärische Angriff eines Staates auf Deutschland seit 1945.”

Das ist keine Analyse mehr, sondern mediale Effekthascherei. Gujer scheint den Anschlag auf die Nord-Stream-Pipelines übersehen zu haben, denn um von einem militärischen Angriff eines Staates zu sprechen, müsste man erst einmal wissen, welcher Staat tatsächlich dahintersteckt.

Genau das ist derzeit unbekannt. Doch bei der NZZ scheint die Methode inzwischen umgekehrt: Erst das Urteil, dann die Beweissuche. Oder man lässt die Beweise gleich ganz weg. Dabei gibt es durchaus warnende Stimmen, die vor voreiligen Schlüssen zurückschrecken. Selbst Militärexperten erinnern daran, dass andere Szenarien möglich sind, etwa Provokationen oder sogenannte False-Flag-Operationen. Die deutschen Behörden halten sich mit Anschuldigungen bislang auffallend zurück. Für Gujer ist das unerheblich. Sein Russland-Bild steht längst fest.

Wer die Entwicklung der NZZ in den letzten Jahren beobachtet hat, wird davon kaum überrascht sein. Unter Gujer verlor die Zeitung Leser, und mitten in der Printkrise setzte er ausgerechnet auf Deutschland als großes Expansionsziel. Als ob Spiegel, FAZ und viele andere Medien auf die Zürcher Konkurrenz gewartet hätten. Die NZZ investierte enorme Summen in den Markt nördlich des Rheins. Gujer trieb diese Expansion persönlich voran.

Deutschland wurde so zum teuren Prestigeprojekt der NZZ – ähnlich wie das Zürcher Filmfestival ZFF: viel Geld, viel Selbstinszenierung, große Ambitionen. Am Ende: nichts. Heute wirkt die NZZ bei vielen Themen weniger wie ein traditionsreiches Zürcher Qualitätsmedium mit Distanz und Skepsis, sondern eher wie ein Berliner Boulevardblatt mit Schweizer Briefkopf. Früher fragte die NZZ: Was wissen wir? Heute fragt sie wie der Blick: Welche Geschichte passt ins Bild?

Das Problem ist nicht, dass Russland verdächtigt wird. Das Problem ist, dass aus einem Verdacht vorschnell Gewissheit wird. Journalismus beginnt mit Fragen. Propaganda beginnt mit Antworten. Genau deshalb ist Gujers Leipzig-Kommentar so absurd. Nicht wegen der Drohne, nicht wegen Russland, sondern weil er zeigt, wie weit sich die NZZ unter seiner Führung von ihrem alten Prinzip entfernt hat: erst prüfen, dann urteilen. Stattdessen wird ein ungeklärter Vorfall zum russischen Staatsangriff hochstilisiert und gleich in die Geschichtsbücher geschrieben.

Vielleicht ist daher nicht Leipzig die eigentliche Geschichte.
Vielleicht ist die eigentliche Geschichte dieser Freitagmorgen in Zürich. Der scheidende Chefredakteur der NZZ verfasst einen Kommentar, der mehr Sicherheit ausstrahlt als die Ermittlungsbehörden selbst. Und genau das ist das Kernproblem: Gujer geht. Er nutzte die NZZ, um sich für seinen künftigen Posten in Deutschland zu empfehlen und der Berliner Politik zu gefallen. Für viele langjährige Leser dürfte sein Rücktritt die beste Nachricht sein, die sie seit Jahren in der NZZ gelesen haben.

Mehr zum Thema – NZZ behauptet: Selenskij ist nicht korrupt! Seine Offshore-Firmen? Nur eine Risikoreduzierung

Schreibe einen Kommentar