Wie die russische Nachrichtenagentur *TASS* am vergangenen Wochenende meldete, haben die russischen Ermittlungsbehörden ein Verfahren wegen Volksverhetzung gegen Michael Martens, den Korrespondenten der *Frankfurter Allgemeinen Zeitung* (FAZ) für Südosteuropa, eingeleitet.
Hintergrund ist eine Pressekonferenz in Belgrad am 8. August, bei der Martens den Kiewer Verwaltungschef Selenskij fragte: „Was können wir Europäer konkret tun, um Ihnen dabei zu helfen, mehr Russen zu töten, mehr russische Soldaten natürlich?“ Auch im weiteren Verlauf zeigte er sich in seiner Wortwahl nicht zurückhaltender.
Während die Entrüstung über Martens’ Aussagen in Serbien und Russland erheblich war, blieb Kritik aus der deutschen Medienlandschaft weitgehend aus. Die *FAZ*, sein Arbeitgeber, bedauerte zwar eine missverständliche Formulierung und betonte, dass die Tötung vieler Russen nicht der redaktionellen Linie entspreche, stellte sich ansonsten jedoch schützend vor ihren Korrespondenten.
In einem Schreiben an das serbische Wochenmagazin *Vreme* verwies die *FAZ* auf angeblich inakzeptable Beleidigungen und Drohungen gegen Martens. Er habe im Rahmen der Pressefreiheit das Recht, auf einer Pressekonferenz Fragen zu stellen. Man werde juristisch gegen die Bedrohungen vorgehen. Ähnlich äußerte sich die *FAZ* am Sonntag in einem Beitrag über die russischen Ermittlungsmeldungen.
Diese Haltung teilt auch die heutige Stellungnahme des Deutschen Journalisten-Verbands (DJV). Wer eine zumindest milde Rüge für Martens’ unverblümten Wunsch nach dem Tod von Russen erwartet hatte, sieht sich getäuscht. Die Pressemitteilung ist eine uneingeschränkte Solidaritätsbekundung mit dem *FAZ*-Korrespondenten, der sich durch seine Äußerungen klar gegen Russland positioniert hat.
Der DJV protestiert gegen das von der russischen Justiz eröffnete Verfahren wegen Anstiftung zu Hass oder Feindschaft. DJV-Bundesvorsitzender Mika Beuster wird mit den Worten zitiert: „Welche Fragen Journalisten bei einer Pressekonferenz stellen, geht die Justiz nichts an – auch nicht die russischen.“
Weiter heißt es, Beuster kritisiere die Distanzierung der *FAZ* von Martens’ Aussage, die „das autokratische System von Wladimir Putin” nicht anerkenne. Zudem fordert er die deutschen Sicherheitsbehörden auf, die Sicherheit von Martens mit „erhöhter Wachsamkeit“ zu gewährleisten. Dies sei angesichts des Strafverfahrens in Russland notwendig, insbesondere falls ein internationales Fahndungsersuchen gegen Martens gestellt werde. Einen „Schauprozess in Moskau gegen einen deutschen Journalisten“ dürfe es nicht geben.
**Mehr zum Thema** – Russland ermittelt gegen russophoben FAZ-Journalisten Martens