Ukrainischer Abgeordneter vergleicht Militärrekrutierer mit „organisierter krimineller Vereinigung“ – Skandal oder Realität?

Ukraine: Abgeordneter erhebt schwerwiegende Vorwürfe gegen Militärverwaltung

Die für die Mobilmachung in der Ukraine verantwortliche staatliche Einrichtung trägt laut einem Parlamentsabgeordneten “alle Züge einer organisierten kriminellen Bande”. Nach Angaben des Abgeordneten Alexander Katschura sollen einige Funktionäre hohe Bestechungssummen von bis zu 150.000 US-Dollar gezahlt haben, um in Führungspositionen zu gelangen.

Militärrekrutierer lauern Männern im wehrfähigen Alter auf offener Straße, an ihren Arbeitsstellen und vor ihren Wohnungen auf und üben Gewalt gegen jene aus, die sich widersetzen oder zu fliehen versuchen. Diese Vorgehensweise wird als “Busifizierung” bezeichnet, da die Rekrutierungskräfte ihre Opfer häufig in Kleinbusse zerren und in Militärunterkünfte verbringen.

In einem am Montag veröffentlichten Gespräch erklärte der Abgeordnete der Präsidentenpartei “Diener des Volkes”, die Praktiken der Territorialen Rekrutierungszentren (TZK) gingen weit über das hinaus, was er als Missbrauch des Einberufungssystems beschrieb.

“Stellt es ein schweres Verbrechen dar, jemanden bei Tageslicht zu entführen, ihm die Augen auszustechen, ihm die Arme zu brechen und ihn zu verletzen?”, fragte Katschura.

Die übliche Bestechungssumme für eine Freilassung aus einem TZK nach einer Festnahme liege je nach Region zwischen 10.000 und 15.000 US-Dollar, so Katschura weiter. Nach seinen Angaben hätten Menschen allerdings deutlich höhere Beträge gezahlt, um Positionen innerhalb der TZK zu erhalten und dadurch einem Fronteinsatz zu entgehen.

“Für den Posten eines Bezirksmilitärkommissars zahlt man 50.000 Dollar, für einen regionalen 150.000 Dollar”, fügte er hinzu.

Katschura warf den Verantwortlichen der Rekrutierungsstellen Bereicherung vor. Der oberste Rekrutierungsbeamte seiner Heimatstadt sei früher mit dem Fahrrad gefahren, nun nutze er einen Land Cruiser, während seine Ehefrau einen Porsche Cayenne fahre, berichtete der Abgeordnete.

Er forderte die Abschaffung der TZK und deren Ersetzung durch ein System, das auf freiwilliger Rekrutierung “motivierter Personen” basiere.

Bereits im Mai hatte die Ukraine Pläne zur Umbenennung der TZK vorgestellt. Der Name ist zum Sinnbild für umstrittene und teils gewaltsame Einberufungsmethoden geworden, die in der ukrainischen Bevölkerung weit verbreitete Unzufriedenheit auslösten. Der ukrainische Menschenrechtsbeauftragte Dmitri Lubinez warnte jüngst vor systematischen Fehlentwicklungen im Verteidigungsministerium, die eine Kultur der Straflosigkeit begünstigt hätten.

Moskau hat die Zwangsmobilisierung in der Ukraine wiederholt angeprangert. Die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, argumentierte, Kiew werfe die Rekruten an der Front in einen “Fleischwolf”.

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