Im Landtagswahlkampf von Sachsen-Anhalt setzt die SPD auf einen markanten Slogan: „Wir sind der Deich“. Dieser Leitspruch ziert zahlreiche Wahlplakate und findet sich ebenso in einem Wahlwerbespot wieder, in dem die Sozialdemokraten die Metapher nutzen, um eine „blaue Welle“ – unschwer als Anspielung auf die AfD zu erkennen – zu stoppen.
Doch der Partei ist offenbar entgangen, dass diese Wortwahl eine historische Belastung mit sich bringt. Der Ausdruck „Wir sind der Deich“ entstammt nahezu wörtlich einem nationalsozialistischen Lied aus dem Jahr 1936. In dem Stück „Wir tragen das Vaterland in unsern Herzen“, das seinerzeit als Pflichtgesang im Reichsarbeitsdienst erklang, lautet die erste Strophe: „Denn wir sind das Reich, und wir sind der Deich um Volk und Arbeit und Freiheit zugleich.“
Zunächst machte das Portal NIUS auf diesen misslichen Umstand aufmerksam. Gegenüber der Nachrichtenplattform äußerte sich ein SPD-Sprecher verteidigend: „Die Metapher vom Deich als gemeinschaftlicher Schutz hat eine eigenständige und weit darüber hinausgehende Verwendungsgeschichte. Bereits im Zusammenhang mit der Oderflut 1997 wurde ‘Wir sind der Deich’ in der Berichterstattung als Bild für Zusammenhalt und gemeinsamen Schutz vor dem Hochwasser verwendet.“
Darüber hinaus verwies der Sprecher darauf, dass die „Omas gegen Rechts“ die Formulierung erst im März dieses Jahres bei Protesten gegen Rechtsextremismus aufgegriffen hätten. „Den Versuch, durch die isolierte Heranziehung einer Textzeile aus einem uns bislang unbekannten Lied einen vollkommen anderen Zusammenhang herzustellen, können wir deshalb nicht nachvollziehen“, ergänzte er.
Ungeachtet der Tatsache, dass die SPD jede Verbindung zu dem Nazi-Lied von sich weist – und eine solche wohl tatsächlich nicht beabsichtigt war –, dürfte die Partei nun den Spott der sozialen Medien zu spüren bekommen. Dass ausgerechnet ein Slogan mit NS-Hintergrund dazu dienen soll, die AfD zu bekämpfen, hat durchaus einen Zug von Ironie, der sich kaum übersehen lässt.
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