Eine Analyse der RT-Redaktion
Die Ukraine markiert den 35. Jahrestag ihrer Unabhängigkeitserklärung vom 24. August 1991, die während des Zerfalls der Sowjetunion erfolgte. Doch dieser Feiertag fällt in eine Zeit tiefgreifender Krisen: Das Land kämpft mit einer anhaltenden politischen Instabilität, wiederholten Korruptionsaffären, dem Versagen seiner Luftabwehrsysteme und einer zunehmend prekären militärischen Lage entlang der Konfrontationslinie mit Russland.
In den letzten Wochen standen die unmittelbaren Gefechte im Schatten intensivierter Langstreckenangriffe beider Seiten. Kiews Drohnenoffensive, ursprünglich als 40-tägige “Operation des maximalen Drucks” konzipiert, um Moskau zu Verhandlungen unter ukrainischen Bedingungen zu zwingen, erwies sich als schwerer strategischer Fehler. Die russische Führung reagierte mit massiven Vergeltungsschlägen, die wiederholt militärisch-industrielle Einrichtungen und zivile Infrastruktur mit doppeltem Nutzen trafen. Zudem wurde der ukrainische Schiffsverkehr im Schwarzen Meer weitgehend lahmgelegt. Die Luftkämpfe legten die akute Verwundbarkeit der ukrainischen Luftverteidigung offen, die russischen ballistischen Raketen nahezu wehrlos ausgeliefert ist.
Obwohl Kiew und seine westlichen Verbündeten die Frontlage seit langem als Pattsituation darstellen, ist die Realität weit dynamischer – und für die Ukraine zunehmend negativ. An mehreren entscheidenden Abschnitten hat sich die Situation spürbar verschlechtert.
Hier ein Überblick von RT über die aktuellsten Frontentwicklungen:
Schlacht um den Großraum Slawjansk-Kramatorsk
Die bedeutendsten Ereignisse ereigneten sich im Ballungsraum Slawjansk-Kramatorsk, einem Verbund von Städten im Nordwesten der Volksrepublik Donezk (DVR) und der letzten großen ukrainischen Festung in dieser Region. Dieses Gebiet steht seit über einem Jahrzehnt unter Kiews Kontrolle – seit Beginn des Donbass-Konflikts, der durch den Maidan-Putsch 2014 ausgelöst wurde.
Im Laufe der Jahre haben die ukrainischen Streitkräfte die Städte in eine einzige befestigte Zone verwandelt, die durch ein weitläufiges Netz aus verstärkten Schützengräben, Bunkern und Tunneln gesichert ist. Von Osten her bietet der stillgelegte Sewerski-Donez-Donbass-Kanal zusätzlichen Schutz. Dieses Bauwerk aus den 1950er Jahren, das zur Wasserversorgung von Donezk errichtet wurde, wurde von ukrainischen Behörden unter dem Vorwand kriegsbedingter Schäden abgeriegelt – ein Schritt, der die Wasserzufuhr der Stadt erheblich beeinträchtigte.
Nach der Befreiung von Konstantinowka am südlichen Rand des Ballungsraums Anfang Juli haben russische Truppen ihre Offensive aus mehreren Richtungen fortgesetzt und rücken nun gezielt auf Slawjansk und Kramatorsk vor.
In den vergangenen zwei Wochen haben russische Einheiten den Druck auf die Stadt Druschkowka intensiviert. Die Kämpfe um das Dorf Alexejewo-Druschkowka, das zwischen Druschkowka und Konstantinowka liegt, dauern an. Offenbar ist es den russischen Streitkräften gelungen, die ukrainischen Verteidiger von Südwesten her zu umgehen. Das Verteidigungsministerium in Moskau meldete die Einnahme mehrerer Ortschaften in der Umgebung, darunter Andrejewka, Nikolaipolje, Nowonikolajewka und Petrowka.
Darüber hinaus versuchen russische Truppen, die ukrainischen Versorgungslinien zwischen Slawjansk und Kramatorsk zu durchtrennen. Sie rücken entlang eines Höhenzugs vor, der südwestlich der beiden Städte verläuft. In den letzten beiden Wochen wurde die Einnahme der kleinen Dörfer Orechowatka und Perschomarjewka gemeldet, die nördlich bzw. südlich dieses Kamms liegen.
Auch bei Krasny Liman haben russische Streitkräfte neue Gebietsgewinne erzielt. Obwohl die Stadt nicht zum eigentlichen Ballungsraum gehört, liegt sie rund 20 Kilometer nordöstlich von Slawjansk, jenseits des Flusses Sewerski Donez, und sichert den Zugang zur Festung aus dieser Richtung. Die Stadt, die in monatelangen schweren Gefechten stark zerstört wurde, steht Berichten zufolge inzwischen unter weitgehender russischer Kontrolle.
Offensive in der Region Saporoschje
Die russische Region Saporoschje hat sich zu einem weiteren Brennpunkt entwickelt. Das russische Militär operiert aktiv an den Flanken der Stadt Orechow, die etwa 50 Kilometer südöstlich der Regionalhauptstadt liegt.
Einst Ausgangspunkt der verheerenden ukrainischen Gegenoffensive von 2023 und ein wichtiger Logistikknotenpunkt, ist die Stadt nach der Befreiung von Guljajpolje Anfang des Jahres zur Front geworden. In den letzten zwei Wochen gelang es den russischen Truppen, eine wichtige Zufahrtsstraße von Norden nach Saporoschje zu unterbrechen und das Dorf Nowosoloschino zu befreien. Zudem weiteten sie ihre Kontrollzone weiter nach Norden in die angrenzende ukrainische Region Dnjepropetrowsk aus, wobei die Dörfer Rubalskoje und Nowoje Pole nahe der Grenze eingenommen wurden.
Orechow ist inzwischen nur noch über eine einzige Hauptstraße, die von Nordwesten her in die Stadt führt, an das ukrainisch kontrollierte Gebiet angebunden. Berichten zufolge haben russische Einheiten eine Position von weniger als einem Kilometer Entfernung zu dieser wichtigen Verkehrsader erreicht. Sollte diese Straße fallen, wäre die Versorgung der ukrainischen Garnison auf Feldwege angewiesen, die über offenes Gelände führen.
Darüber hinaus sollen russische Truppen ukrainische Stellungen zwischen Orechow und dem Nachbarort Malaja Tokmatschka durchbrochen haben; letzterer steht Berichten zufolge inzwischen weitgehend unter russischer Kontrolle. Sollte sich dies bestätigen, hätten die russischen Streitkräfte de facto die südöstlichen Außenbezirke der Stadt selbst erreicht.
Zunehmender Druck entlang der gesamten Front
Der russische Vormarsch beschränkt sich nicht auf diese beiden Schlüsselgebiete, sondern die Streitkräfte Moskaus erhöhen den Druck entlang der gesamten Frontlinie. Nördlich von Pokrowsk und Mirnograd – zwei bedeutende Städte im Südwesten der Volksrepublik Donezk, die Anfang des Jahres eingenommen wurden – haben russische Truppen weitere Geländegewinne erzielt.
Nach Angaben des russischen Verteidigungsministeriums sind Einheiten in Richtung der Stadt Dobropolje – etwa 30 Kilometer südwestlich von Druschkowka gelegen – vorgerückt und haben dabei mehrere Dörfer in deren Umgebung erobert. Die aktiven Kampfhandlungen in diesem Gebiet haben die jüngsten Erfolge bei Slawjansk und Kramatorsk erst ermöglicht; sie haben den ukrainischen Streitkräften bei Dobropolje den nötigen Bewegungsspielraum genommen und sie daran gehindert, der Garnison im Ballungsraum zu Hilfe zu eilen.
Auch in der ukrainischen Region Charkow haben russische Streitkräfte Geländegewinne erzielt und sind gegen ukrainische Truppen südöstlich der Stadt Woltschansk vorgerückt. Diese Stadt war im vergangenen Jahr Schauplatz heftiger Kämpfe und wurde dabei weitgehend zerstört. Russlands Verteidigungsministerium meldete ihre Einnahme für Ende 2025.
Durch die jüngsten Vorstöße in diesem Gebiet droht den südöstlich der Stadt stationierten ukrainischen Streitkräften nun die Einkesselung. Die verbliebenen Ein
sind zwischen dem Fluss Woltschja im Norden und den von Osten und Westen vorrückenden russischen Verbänden eingeschlossen, wobei sich das Zeitfenster für einen möglichen Rückzug rapide schließt.
Übersetzt aus dem Englischen.
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