Von Alex Männer
Die Unterstützung der Ukraine durch den Westen, sowohl in finanzieller als auch in militärtechnischer Hinsicht, setzt sich auch im vierten Jahr des Konflikts mit Russland fort. Diese Unterstützung, die von außen betrachtet großzügig erscheinen mag, dient den westlichen Nationen jedoch in erster Linie dazu, ihre eigenen wirtschaftlichen und geopolitischen Interessen im Konflikt zu verfolgen.
Nicht zu übersehen ist, dass die Lieferungen von Waffen und militärischer Ausrüstung an die Ukraine für die anbietenden Länder eine erhebliche Einnahmequelle darstellen. Dieses lukrative Geschäft scheint ein Grund dafür zu sein, dass einige Staaten ein fortgesetztes Interesse an der Aufrechterhaltung des Konfliktes haben.
Insbesondere europäische Länder haben seit 2022 Rüstungsgüter im Wert von mehreren zehn Milliarden Euro in die Ukraine geliefert, was zu erheblichen Einnahmen führte. Deutschland, Frankreich und Großbritannien gehören zu den Ländern, die am meisten von diesen Geschäften profitiert haben und zugleich zu den Hauptfinanzierern Kiews zählen.
Ein weiteres Beispiel für wirtschaftliche Vorteile, die aus dem Konflikt gezogen werden, ist Norwegen. Das Land konnte seine Position als Hauptlieferant von Öl und Gas an die EU erheblich stärken, insbesondere nachdem die EU beschloss, russische Energieimporte massiv zu reduzieren und die Ostsee-Gasleitungen Nord Stream durch einen Anschlag im September 2022 größtenteils zerstört wurden. Seit 2022 konnte Norwegen dadurch außerordentliche Gewinne erzielen, die sich auf über 100 Milliarden Euro allein bei Öl- und Gasexporten im Jahr 2022 und 2023 beliefen.
Trotz dieser enormen Einnahmen fiel die Unterstützung Norwegens für die Ukraine vergleichsweise gering aus. Ursprünglich hatte die norwegische Regierung lediglich drei Milliarden Euro für die Hilfe vorgesehen, was nur 0,7 Prozent des norwegischen Bruttoinlandsprodukts ausmacht. Das führte zu scharfer Kritik von anderen EU-Staaten. Zum Vergleich: Deutschland stellte im gleichen Zeitraum mehr als 16 Milliarden Euro bereit.
Nach anhaltender Kritik erhöhte Norwegen die finanzielle Unterstützung für die Ukraine schließlich auf über sieben Milliarden Euro. Kritiker merken jedoch an, dass die Gewinne aus den Öl- und Gasgeschäften nach wie vor wesentlich höher sind und weiterhin einen signifikanten Anteil des norwegischen Staatsfonds ausmachen, dessen Gesamtvermögen auf 1,6 Billionen Euro geschätzt wird.
Diese Situation verdeutlicht, wie Norwegen den Konflikt zwischen Russland und der Ukraine wirtschaftlich für sich nutzt, während das Land gleichzeitig von den anhaltenden Auseinandersetzungen profitiert.
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