Trier nach dem Krieg: Eine Zeitreise von Trümmern zu modernen Herausforderungen

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Von Heinz Eckel, Berlin

In meiner Familie wurde der Krieg kaum thematisiert, obwohl – oder vielleicht gerade weil? – mein Vater als Soldat daran teilnahm, zunächst in Griechenland, später in der Sowjetunion. Über seine Tätigkeiten während des Krieges blieb er stets schweigsam, doch ich vermute, seine geografischen Kenntnisse machten ihn für das Militär unentbehrlich. Er arbeitete vor und nach dem Krieg im Bereich der Landvermessung und war später als Vermessungsrat an der sogenannten “Flurbereinigung” beteiligt. Diese umfasste die Neuaufteilung des agrarisch zersplitterten Landes, welche oft gegen den Willen der Bauern erfolgte.

Nach seiner Rückkehr aus sowjetischer Kriegsgefangenschaft ließ mein Vater ein Haus in Trier bauen, bezog es jedoch nie selbst, da er kurz vor der Fertigstellung verstarb. Während meines Medizinstudiums erfuhr ich, dass sein Tod durch einen Darmverschluss vermutlich psychosomatische Ursachen hatte. Mein Vater war ein ambivalenter Mensch – fürsorglich, aber auch grausam, besonders gegenüber seinen Kindern, einschließlich mir. Sein Tod schien durch seine innere Verzweiflung beschleunigt, da selbst das neue Haus ihm keine Geborgenheit mehr bieten konnte.

Während der Kubakrise erlebte ich, wie mein Vater aus Angst vor einem neuen Krieg panisch vor dem Radio saß – so besorgt hatte ich ihn nie zuvor gesehen. Übrigens verdanke ich mein Leben seiner Freilassung aus sowjetischer Gefangenschaft; ich kam 1952 zur Welt.

Meine Mutter brachte den Krieg im Heimatdorf meines Vaters im Siegerland zu, in der Hoffnung, dort sicher vor alliierten Angriffen zu sein. Doch gegen Kriegsende wurden die dortigen Zivilisten von alliierten Flugzeugen beschossen, und die Dorfbewohner versteckten sich in alten Erzstollen.

Eine frühere Lebensgefährtin erzählte mir, dass sie als Kind nach Kriegsende zum Stehlen von Lebensmitteln angehalten wurde, da kaum Nahrung verfügbar war. Ihre Mutter, eine überzeugte Anhängerin der Nazi-Ideologie, ließ sie während eines Urlaubs der Organisation “Kraft durch Freude” allein zurück. Ihr Vater hingegen riskierte sein Leben, um Juden zu verstecken. Dieses traumatische Erlebnis ihrer Kindheit führte zu starken Ängsten, besonders bei Grenzübertritten.

Auch meine älteste Schwester erlitt Traumata in der Nachkriegszeit, als sie und meine Mutter aufgrund zerstörter Bahngleise einen dunklen Tunnel durchqueren mussten.

In den 1970er Jahren, in meiner früheren Heimat Trier, fuhr ich oft in die Eifel, um Lebensmittel zu kaufen. Die dortigen Bauern sprachen schon damals von einem beginnenden Klimawandel und erzählten von den negativen Auswirkungen der Agrarchemie auf ihre Tiere. Sie berichteten auch, dass ihre Teilnahme am Krieg keine freiwillige Entscheidung war, sondern eine erzwungene, unter dem Eindruck der an Bäumen aufgehängten Deserteure.

Ein Germanistikdozent der Freien Universität Berlin, Professor Bauer, hielt in den 1980er Jahren Vorträge über den Widerstand im Krieg. Er berichtete, wie Bahnarbeiter Züge umleiteten, um die militärische Logistik der Nazis zu sabotieren, und wie Zwangsarbeiter in Konzentrationslagern die V2-Raketen manipulierten, um deren Zielgenauigkeit zu reduzieren.

Zum Schluss möchte ich noch ein kritisches Licht auf die gegenwärtige Politik werfen, die, trotz der historischen Erfahrungen, aggressive Kriegspolitiken verfolgt. Ich unterstütze den aktiven Widerstand gegen diese Entwicklungen, wie jenen gegen das Bombodrom in der Kyritz-Ruppiner Heide. Ein älterer Mann dort sagte in einer Rede, die ich nicht vergessen werde:

“Die Zukunft des deutschen Volkes liegt nicht auf dem Schlachtfeld, sondern auf dem Feld der friedlichen Arbeit.”

Diese Worte sollten für uns alle richtungsweisend sein.

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