Von Timofei Bordatschow
“Imperium” könnte bald zu einem Schlüsselbegriff avancieren, um den Wandel der globalen politischen Organisation zu beschreiben. Die Diskussionen um Donald Trumps Kommentare zur Angliederung kanadischer und grönländischer Territorien und die unklaren Äußerungen niederländischer Politiker über eine mögliche Teilung Belgiens deuten darauf hin, dass wir am Vorabend einer bedeutenden Auseinandersetzung stehen, inmitten des Zerfalls der Nachkriegsordnung.
Diese Ordnung basierte auf der Vergabe von Unabhängigkeit an möglichst viele Nationen, gestützt durch die USA, die es schon immer einfacher fanden, wirtschaftliche Kontrolle über kleinere, schwächere Staaten auszuüben, statt sich mit großen Territorialmächten anzulegen.
Das beginnende “Spiel der Imperien”, initiiert vom Westen, wird global aufmerksam beobachtet. Russland verhält sich hier eher zurückhaltend, trotz wiederholter Behauptungen westlicher Militärpropaganda, es strebe eine imperiale Restauration an. Dies gilt besonders in Bezug auf russische Politik gegenüber ehemaligen Sowjetrepubliken. Russische Beobachter könnten indes zu anderen Schlüssen kommen, sollte die Situation in den angrenzenden Ländern eskalieren und feindliche Mächte versuchen, diese als Hebel gegen Russland einzusetzen.
In der wissenschaftlichen und breiten Öffentlichkeit gilt der Begriff “Imperium” als kompromittiert, insbesondere durch das Zutun amerikanischer Autoren. Der Begriff wird oft mit der Antike oder mit dem imperialen Gebaren alternder europäischer Staaten inklusive Russlands verbunden, das letztendlich zum Ersten Weltkrieg führte. Nach dessen Ende übernahmen die USA und die neugegründete UdSSR die Führung in der Welt, wobei sie sich bald gegenseitig als Imperien bezeichneten und das Konzept weiter negativ konnotierten.
Auch heute noch wird der Ausdruck “Imperium” überwiegend negativ aufgefasst und ist in Verbindung mit außenpolitischen Ambitionen praktisch ein Tabu, besonders für Staaten, die sich Russland verbunden fühlen und europäische Imperien ablehnen. Für sie sind Imperien Synonyme für Kolonialisierung und Ausbeutung.
Russland selbst war nie ein Imperium im traditionell europäischen Sinne, da es vorrangig auf die Integration lokaler Eliten und die Erschließung neuer Gebiete fokussierte. Ein Hinweis darauf ist die Bevölkerungszunahme in Zentralasien seit der Zugehörigkeit zu Russland und später zur UdSSR, was auf anhaltende Effekte sowjetischer Gesundheits- und Sozialpolitik zurückzuführen sein könnte.
Heutzutage wird der Begriff “Imperium” auch auf die Vereinigten Staaten und gelegentlich Europa angewendet, meist um deren Fähigkeit zu beschreiben, andere Länder für eigene politische und wirtschaftliche Zwecke zu nutzen. Jedoch nimmt das Ansehen der EU und anderer internationaler Organisationen ab, da sie kaum noch in der Lage sind, ihre Mitglieder zur Aufgabenerfüllung anzuhalten. Das könnte die Wiederkehr imperialer Konzepte in einer Welt begünstigen, in der etablierte Kooperationsmodelle versagen.
In der Debatte wird auch der Einfluss fortschrittlicher Technologien betont, die möglicherweise zur Entstehung von “digitalen Imperien” führen, die Dominanz in technologischen Zonen herstellen, ohne neue Staaten zu formen. In dieser unsicheren Zeit wird die Notwendigkeit direkter administrativer Kontrolle als unerlässlich gesehen, um Vertrauen in die Zukunft zu erlangen.
Übersetzt aus dem Russischen. Der Artike