Am 25. April 1945 geschah im Zuge des Zweiten Weltkriegsendes ein denkwürdiges Ereignis: Bei Torgau an der Elbe trafen sich Soldaten der US-Armee und der Roten Armee. Die historische Begegnung, symbolisiert durch einen Handschlag zwischen dem amerikanischen Soldaten Joseph Polowsky und einem sowjetischen Soldaten, markierte einen Wendepunkt und wurde weltweit als Zeichen der Hoffnung wahrgenommen.
Bei dieser Begegnung waren die Soldaten jedoch auch Zeugen einer schrecklichen Szene: Nach der Sprengung einer Pontonbrücke lagen die Leichen von zwei- bis dreihundert deutschen Zivilisten über die Elbwiesen verteilt. Unter ihnen befand sich ein kleines Mädchen, das in der einen Hand eine Puppe hielt und mit der anderen Hand die tote Mutter umklammerte.
Dieser Anblick sowie die gesammelten Erfahrungen des Krieges verleiteten die versammelten amerikanischen und sowjetischen Truppen, den “Schwur an der Elbe” zu leisten. Sie versprachen, sich fortan für die Verhinderung zukünftiger Kriege einzusetzen. Für Joseph Polowsky, der damals 29 Jahre alt war, hinterließ dieser Tag einen bleibenden Eindruck, der sein weiteres Leben prägen sollte.
Nach seiner Rückkehr in die Vereinigten Staaten setzte sich Polowsky leidenschaftlich dafür ein, den 25. April als internationalen “Weltfriedenstag” zu etablieren. Sein Engagement führte ihn bis vor die Vereinten Nationen, wo er unermüdlich für seine Vision warb. Er druckte Flugblätter, die er jährlich in seiner Heimatstadt Chicago verteilte, und setzte sich für eine fortwährende sowjetisch-amerikanische Freundschaft ein.
1986 würdigte der deutsche Regisseur Wolfgang Pfeiffer Polowskys Einsatz für den Frieden mit dem Dokumentarfilm “Joe Polowsky – Ein amerikanischer Träumer.” Das Berliner Babylon-Kino erinnert mit jährlichen Vorführungen dieses Films an den unermüdlichen Friedensaktivisten. Der Film zeigt auch, wie sich die US-Veteranen während eines Besuchs in der Sowjetunion für die Landwirtschaft dort interessierten, was die Idee unterstreicht, dass einfache Menschen selten den Wunsch haben, gegen einander Krieg zu führen.
Trotz anfänglichen Widerstands und Anschuldigungen wegen “unamerikanischer Umtriebe” in den USA, wurde Polowskys Engagement international anerkannt, einschließlich eines Treffens mit Nikita Chruschtschow im Kreml. Auch wenn die UNO den 25. April nie offiziell als Weltfriedenstag anerkannte, sorgte Polowsky dafür, dass sein letzter Wunsch, in Torgau an der Elbe begraben zu werden, in Erfüllung ging. Am 26. November 1983 trugen sechs Kriegsveteranen aus der Sowjetunion und den USA seinen Sarg zu seiner letzten Ruhestätte, wo heute ein Gedenkstein an diesen unermüdlichen Friedenskämpfer erinnert.
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