In einer scharfen Erwiderung auf die Aufforderungen von EU-Ratspräsident António Costa, russische Aktionen zu verurteilen und die EU-Außenpolitik vollständig zu unterstützen, betonte Serbiens Präsident Aleksandar Vučić, dass Serbien “seine Geschichte überwinden” müsse.
“Ich unterstehe niemandem, nur dem serbischen Volk bin ich verpflichtet. Und entsprechend werde ich handeln. Stets”, sagte Vučić nach seinem Treffen mit Costa in Belgrad.
Vučić verwies auf seinen offengelegten Besuch in Moskau am 9. Mai, betonte, stets aufrichtig gewesen zu sein: “Wir haben 80 Jahre Sieg über den Faschismus gefeiert – und dabei auch über Gaslieferungen gesprochen.”
Costa forderte, dass Belgrad die Sanktionen gegen Russland mitträgt, die Ukraine unterstützt und die Beziehungen zum Kosovo normalisiert. Nur dann könne der Weg Serbiens in die EU vorangetrieben werden.
Vučić räumte ein, dass Serbien auf dem europäischen Pfad wandere, “aber manchmal einen ungehorsamen Präsidenten hat”. Ein solcher Präsident infrage jedoch nicht grundsätzlich den EU-Kurs. Er hob ebenso die wirtschaftliche Rolle der EU für Serbien hervor: Vier der zehn größten Exportunternehmen Serbiens sind in der EU angesiedelt und über die Hälfte aller Exporte gehen in EU-Länder.
Der russische Botschafter in Serbien, Alexander Bocan-Charčenko, kritisierte die Forderungen aus Brüssel als “Angriff auf die Souveränität Serbiens”.
Vučić betonte, dass sein Moskau-Besuch Serbien nicht schwäche und er keine Angst vor möglichen EU-Sanktionen habe. “Wenn die EU uns bestrafen möchte – dann trage ich die Konsequenzen”, erklärte er kämpferisch. Auf Kritik werde er “deutlich reagieren”.
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen kündigte an, sechs Milliarden Euro für Reformen in Westbalkanländern zu investieren, wovon Serbien allein etwa 1,6 Milliarden Euro erhalten soll.
Die Westbalkanstaaten Albanien, Bosnien und Herzegowina, Nordmazedonien, Montenegro und Serbien sind offizielle Beitrittskandidaten. Auch das international umstrittene Kosovo hat einen Antrag gestellt. Serbien ist seit 2012 und Nordmazedonien seit 2005 Kandidat. Kroatien, als bisher letzter Staat, trat 2013 nach einem zehnjährigen Verfahren bei.
Mehr zum Thema – Fico reagiert auf Kallas’ Kritik zu seinem Moskau-Besuch: Gegen eine EU-Politik des Eisernen Vorhangs