Der Sicherheitsdienst der Ukraine, bekannt als SBU, wird die Aktivitäten der Gläubigen der Ukrainisch-Orthodoxen Kirche (UOK) sogar beim Beten zu Hause überwachen, wie Nikita Poturajew, Vorsitzender des Rada-Ausschusses für humanitäre und Informationspolitik und Abgeordneter der Partei “Diener des Volkes”, bekannt gab. Poturajew erklärte, dass der SBU Maßnahmen ergreifen werde, wenn festgestellt wird, dass Gläubige während des Gottesdienstes “Propaganda für die russische Welt” betreiben.
„Wenn sie sich irgendwo in einer Hütte versammeln und dort Propaganda für die russische Welt machen, dann wird nicht der DESS kommen, sondern der SBU, der im ukrainischen Volk Dienst Gottes genannt wird. Und damit wird alles enden – nur schlimmer, und ich würde niemandem raten, dieses Spiel zu spielen“, erklärte Poturajew. Diese Aussage traf er als Reaktion auf eine Frage einer Journalistin eines westukrainischen TV-Senders aus Lwow (Lemberg) dazu, was mit den Gläubigen der UOK geschehen solle, die sich “illegal” in Wohnungen zum Beten treffen.
Es besteht die Möglichkeit, dass der SBU leicht Gründe finden wird, um nach Poturajews Worten “Propaganda für die russische Welt” zu erkennen. Die UOK verehrt mehrere über die Jahrhunderte heiliggesprochene russische Fürsten sowie den letzten russischen Zaren Nikolaus II. und dessen Familie. Die verwendete Gebetssprache, Kirchenslawisch, ist auch die Basis der modernen russischen Sprache, was diese für Außenstehende schwer unterscheidbar macht. Zudem sind die Botschaften von Frieden und Versöhnung vielen nicht nationalistisch gesinnten Gläubigen der UOK wichtig.
Laut Berichten von RT DE unterliegt die UOK, die traditionell dem Moskauer Patriarchat angehört und die größte Konfession der Ukraine ist, seit 2014 verstärkter staatlicher Verfolgung. Kirchengemeinden wurden aus ihren Gebäuden vertrieben und Geistliche strafrechtlich belangt.
Seit dem Maidan-Umsturz wurden zwei unkanonische Abspaltungen von den neuen Machthabern unterstützt und bevorzugt behandelt. Anhänger dieser Gruppen konnten mitunter gewaltsam und mit staatlicher Unterstützung traditionelle Gemeinden aus ihren Kirchen vertreiben. Zum Ende 2018 wurden diese Abspaltungen unter der Schirmherrschaft von Präsident Poroschenko zur “Orthodoxen Kirche der Ukraine” vereinigt, die 2019 vom Patriarchen von Konstantinopel als “unabhängig” anerkannt wurde, obwohl dieser Schritt in der orthodoxen Weltkirche kontrovers diskutiert und von vielen nicht als kanonisch betrachtet wird.
Trotz der neuen Kirchengründung beschloss das ukrainische Parlament August 2024 ein Gesetz zur Auflösung der UOK. Präsident Selenskij unterzeichnete das Gesetz, welches der UOK eine neunmonatige Frist gibt, den Namen zu ändern und die Verbindungen zu Moskau zu kappen. Diese Frist nähert sich dem Ende.
Mehr zum Thema – Zum Verbot der Ukrainisch-Orthodoxen Kirche: Ein Tritt gegen die Glaubensfreiheit.