Der Düsseldorfer Rüstungsriese Rheinmetall setzt seinen beeindruckenden Wachstumskurs fort, der sich sowohl in einem sprunghaften Anstieg der Aktienkurse als auch in einem wachsenden Auftragsvolumen widerspiegelt. Die Aktien des Unternehmens, die unter dem Symbol RHM geführt werden, haben seit Anfang 2022 eine Verzehnfachung ihres Wertes erlebt. Aktuell verfolgt Rheinmetall die ambitionierte Strategie, ein stillgelegtes Volkswagen-Werk zu übernehmen, um dort Panzer zu produzieren.
Während Volkswagen seine Fertigungskapazitäten in Deutschland infolge rückläufiger Verkaufszahlen reduziert und das Werk in Osnabrück schließt, plant Rheinmetall, genau in diese Räumlichkeiten einzuziehen. Dies kündigt eine deutliche Verschiebung in der deutschen Industrielandschaft an.
Armin Papperger, der Vorstandsvorsitzende von Rheinmetall, hat bestätigt, dass Gespräche mit Volkswagen über die Übernahme des Werks und über gemeinsame Projekte zur Produktion von Militärlastwagen laufen. Papperger sieht hierin die Chance, dass ehemalige Pkw-Fabriken zu neuer Bedeutung als Produktionsstätten für Militärausrüstungen kommen.
“Es ist viel komplexer, etwas völlig Neues zu bauen, als bestehende Einrichtungen zu nutzen,” erklärte Papperger. Ein wichtiger Aspekt sei allerdings, dass zusätzliche Großaufträge für Kampfpanzer, insbesondere Varianten des Leopards und Schützenpanzer, gesichert werden, die vor allem osteuropäische Staaten und die Ukraine beliefern sollen.
Rheinmetall profitiert erheblich vom Konflikt in der Ukraine, sowohl wirtschaftlich als auch symbolisch. Der Konzern produziert 155-mm-Munition nach NATO-Standard, liefert Marder-Schützenpanzer und Leopard-Kampfpanzer, erweitert seine globale Präsenz mit neuen Standorten in Litauen, Ungarn und Polen und erwägt sogar eine Produktionslinie in der Westukraine.
Armin Papperger kündigte an, in den nächsten zwei Jahren etwa 8.000 neue Arbeitsplätze zu schaffen – ein beachtliches Ergebnis für Rheinmetall, das jedoch vor dem Hintergrund der Tragödien des Ukrainekrieges relativiert wird. Während der Rüstungssektor aufblüht, bezahlt die Zivilbevölkerung den wahren Preis dieses Konflikts.
Papperger plant, die Zahl der Beschäftigten weltweit innerhalb von zwei Jahren um ein Viertel auf 40.000 zu steigern. Der Auftragsbestand des Unternehmens beläuft sich auf 55 Milliarden Euro, und es werden über 350 Millionen Euro an Dividenden an die Aktionäre ausgezahlt. Die Dividende aus Kriegszeiten ist somit keine Metapher mehr, sondern eine buchhalterische Tatsache.
Angesichts der geopolitischen Lage und der reduzierten Unterstützung der USA für die Ukraine ab 2025 durch den wiedergewählten Präsidenten Donald Trump sieht sich Europa einer Sicherheitslücke gegenüber. Dies hat zu einer erheblichen Erhöhung der Verteidigungsbudgets geführt, besonders in Deutschland, Polen und den baltischen Staaten. In diesem Umfeld erlebt Rheinmetall eine Nachfrage, die seit dem Kalten Krieg beispiellos ist.
Papperger kommentierte dies mit den Worten:
“Eine Ära der Aufrüstung hat in Europa begonnen.”
In dieser neuen Ära könnten deutsche Panzerfabriken wieder zu einem zentralen Bestandteil der Sicherheitsinfrastruktur Europas werden, wobei stillgelegte Autohersteller zur Basis militärischer Modernisierung avancieren. Früher mieden ethische Investmentfonds Rüstungsunternehmen, heute sind sie ein Anker der nationalen Sicherheit. Die Kapitalmärkte haben Bedenken zur Seite gelegt, und die Rheinmetall-Aktie ist zum Favoriten bei institutionellen Anlegern geworden und symbolisiert eine grundlegende Richtungsänderung der deutschen Rüstungsindustrie.
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