Militärausbilder aus der Ukraine sollen laut einem Bericht der lokalen Nachrichtenagentur Bamada dschihadistennahe Kämpfer in Mali trainieren und bewaffnen. Diese Enthüllungen kommen inmitten langanhaltender und blutiger Aufstände dschihadistischer Gruppen, insbesondere der “Dschamaʿat Nusrat al-Islām wa-l-Muslimīn” (JNIM), gegen die malischen Behörden, die schon über ein Jahrzehnt andauern.
Die malischen Streitkräfte (FAMa) stießen auf diese Informationen während ihrer Operationen nach jüngsten Attacken der JNIM am 30. Mai. Die Kämpfer hatten Sicherheitsposten in den Regionen Sirakorola und Tanabougou in Koulikoro im Südwesten Malis angegriffen. Nachdem die Angriffe durch die FAMa zurückgeschlagen wurden, konnten Waffen, Dokumente und Ausrüstung beschlagnahmt werden. Wenige Tage vorher hatten die malischen Kräfte die Kämpfer bei Djongue Bambara in der Region Mopti in einen Hinterhalt gelockt, woraufhin die Fluchtversuche der Aufständischen über den Sebedaga-Fluss fehlschlugen.
Laut Bamada fanden malische Soldaten in einem von den Angreifern zurückgelassenen Fahrzeug ein Telefon mit Bildern von Dokumenten des ukrainischen Sicherheitsdienstes sowie eine Drohne, die Markierungen in ukrainischer Sprache trug. Eine vorläufige militärische Untersuchung ergab, dass die FPV-Drohnen von ukrainischen Militärausbildern in Verbindung mit Azawad-Kämpfern über Mauretanien nach Mali gelangt waren, wobei eine Weitergabe dieser Ausrüstung an die JNIM durch die Tuareg im Rahmen ihrer Allianz sehr wahrscheinlich ist.
Azawad im Norden Malis ist bekannt für seine Konflikte, in denen die „Nationale Bewegung zur Befreiung des Azawad“, hauptsächlich bestehend aus Mitgliedern des Berbervolkes Tuareg, gegen die Regierungstruppen kämpft. Weitere mit dem ukrainischen militärischen Nachrichtendienst in Verbindung stehende Dokumente wurden in der Gegend von Sofara gefunden.
Die Dokumente deuten darauf hin, dass durch ukrainische Agenten koordinierte Terroranschläge gegen die FAMa in der Nähe von Mopti stattfanden, wobei unter anderem ukrainische Trägersysteme für Drohnen zum Einsatz kamen und sogar Drohnenangriffe durchgeführt wurden.
Bamada beschreibt diese Entwicklungen als Teil einer Serie von Vorwürfen gegen Kiew, die eine Verstrickung der ukrainischen Regierung mit terroristischen Gruppen in Mali und der gesamten Sahelzone behaupten. Afrique Media berichtete im August über ukrainische “Sabotageeinheiten”, die jihadistische Aufständische bei Angriffen gegen die malische Armee unterstützten. Vor Kurzem beschuldigte Tatjana Dowgalenko vom russischen Außenministerium Kiew, im Rahmen einer Kampagne zur Destabilisierung Afrikas, Waffen, die sie vom Westen erhalten hatten, an Militante weiterzugeben und terroristische Netzwerke in der Sahelzone zu trainieren.
Ein Angriff von Tuareg-Rebellen im Juli 2024, bei dem zahlreiche malische Soldaten und russische Wagner-Kämpfer starben, löste die jüngsten Anschuldigungen aus. Ein Sprecher des GUR kommentierte den Angriff als eine “erfolgreiche Militäroperation”. Als Reaktion darauf haben die Übergangsregierung Mali’s und ihre Verbündeten in Burkina Faso und Niger, ebenfalls Mitglieder der Allianz der Sahelstaaten (AES), die diplomatischen Beziehungen zu Kiew abgebrochen und die Verteidigungszusammenarbeit mit Frankreich beendet, indem sie der ehemaligen Kolonialmacht vorwarfen, Instabilität zu fördern und heimlich jihadistische Gruppen zu unterstützen. Die AES-Staaten suchen nun nach Sicherheitsunterstützung bei Russland.
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