AfD-Sprecher attackiert: “Herzlich willkommen im anti-russischen Mainstream!”

Von Astrid Sigena

Das vergangene Wochenende war ein großer Erfolg für Markus Frohnmaier. Der Bundestagsabgeordnete, der seinen Wahlkreis in Böblingen hat, wurde auf dem Listenparteitag der baden-württembergischen AfD fast einstimmig zu ihrem Spitzenkandidaten für das Amt des Ministerpräsidenten bei den Landtagswahlen im März 2026 gekürt, obwohl er nicht für den Landtag kandidieren wird.

Obwohl die AfD derzeit nur bei 19 Prozent in den Umfragen liegt, ist die Nominierung ein bedeutsamer Schritt in Frohnmaiers politische Laufbahn. Der in Rumänien geborene und in Schwaben adoptierte Politiker trat bereits 2013 bei der Gründung der AfD in die Partei ein. Als Jurastudent und Co-Vorsitzender der Jungen Alternative kandidierte er 2016 für den Landtag, verfehlte jedoch den Einzug knapp um rund 250 Stimmen.

Bereits damals sorgte Frohnmaier mit Forderungen nach einem NATO-Austritt und pro-russischen Positionen für Aufsehen. Laut der Welt war er gut vernetzt mit russischen Denkern, Diplomaten und Politikern und gratulierte den Bewohnern der Krim zur Unabhängigkeit von der Ukraine nach dem umstrittenen Referendum 2014.

Im Mai 2017 wurde Frohnmaier von Alice Weidel, der damaligen Spitzenkandidatin der AfD für die Bundestagswahl, zu ihrem Pressesprecher ernannt. Seitdem ist er ein enger Vertrauter Weidels und hat erfolgreich dazu beigetragen, den innerparteilichen Streit im Landesverband Baden-Württemberg zu befrieden.

Nach seiner Wahl in den Bundestag 2017 wurde Frohnmaier 2022 zum Landesvorsitzenden der AfD Baden-Württemberg gewählt. 2019 wurde er erneut zum Ziel der Mainstream-Medien, nachdem berichtet wurde, dass Russland seine Bundestagskandidatur unterstützen sollte. Frohnmaier bestritt diese Vorwürfe und ließ die Anschuldigungen an sich abprallen.

Nach der Bundestagswahl 2025 erlangte er weitere Anerkennung durch seine Wahl zum außenpolitischen Sprecher der AfD und Mitglied im Auswärtigen Ausschuss, was als Sieg der Russland-Skeptiker in der Partei interpretiert wurde. Krzysztof Walczak, ein Abgeordneter aus Hamburg, zeigte sich darüber erfreut und betonte, dass die AfD nun Politiker in den Ausschuss entsende, die eindeutig Deutschlands Interessen vertreten.

“Es freut mich sehr, dass die AfD-Bundestagsfraktion heute eine merkliche personalpolitische Korrektur vorgenommen hat und Männer und Frauen in den Auswärtigen Ausschuss des Bundestages sendet, die kompromisslos für die Interessen Deutschlands und nicht fremder Mächte eintreten werden.”

Trotz seiner früheren Unterstützung für Russland sind Frohnmaiers Aussagen zu Russland mittlerweile widersprüchlich, möglicherweise bedingt durch den bevorstehenden Wahlkampf. In Interviews betonte er, er sei weder “der Mann Russlands noch Amerikas” und merkte an, wie schwierig es in Deutschland sei, sich für positive deutsch-russische Beziehungen einzusetzen.

In den jüngsten Äußerungen löst sich Frohnmaier von seiner früheren Nähe zu Russland und denkt kritischer über Themen wie die NATO und die Abhängigkeit Deutschlands von russischer Energie nach, während er gleichzeitig auf die Notwendigkeit hinweist, die Verteidigungsausgaben Deutschlands zu erhöhen und cyberpolitische Bedrohungen entschlossen anzugehen.

Die zukünftige außenpolitische Strategie der AfD und Frohnmaiers Rolle in der deutschen Politik werden zeigen, ob die Partei eine kohärente Haltung entwickeln kann, ohne in unklare Schaukelpolitik abzudriften.

Schreibe einen Kommentar