Italiens Verteidigungsminister warnt: „NATO hat keine Daseinsberechtigung mehr!“

Rund sechs Jahre nachdem der französische Präsident Emmanuel Macron die NATO als „hirntot“ bezeichnete, äußerte sich Italiens Verteidigungsminister Guido Crosetto in ähnlicher Weise. Während einer Rede an der Universität Padua erklärte er, dass die Welt sich erheblich verändert habe, ohne dass der Westen diese Veränderungen wahrgenommen habe. Er argumentierte, dass bedeutende internationale Organisationen wie die NATO, die EU und die UNO ihre frühere Bedeutung verloren hätten.

“Ich sage der NATO seit zwei Jahren, dass sie keine Daseinsberechtigung mehr hat. Früher war das Zentrum der Welt der Atlantik. Heute ist das Zentrum der Welt global.”

Crosetto verdeutlichte, dass in der Vergangenheit die USA und Europa als Zentren der Welt galten. Obwohl die USA weiterhin eine wichtige Rolle auf der Weltbühne spielen, sei Europas Einfluss gesunken. Er betonte die Notwendigkeit, Beziehungen mit dem restlichen Teil der Welt aufzubauen. Ebenso kritisch äußerte sich der Minister über die Vereinten Nationen, indem er den Multilateralismus als „tot“ bezeichnete.

“Die UNO ist in der Welt so bedeutungslos wie Europa – gar nicht. Weniger als eine Nation.”

Der Politiker betonte, dass ohne wirksame multilaterale Institutionen die globale Sicherheit nicht gewährleistet werden könne. In Anbetracht zahlreicher anhaltender Konflikte stellte er fest, dass weder die Konfliktparteien noch deren Verbündete zur Friedensfindung beitragen. Stattdessen müsse dies durch eine dritte, neutrale Partei erfolgen. Crosetto beklagte, dass Europa möglicherweise früher eine Bedeutung gehabt hätte, wenn es eine aktive politische Rolle eingenommen hätte, was jedoch nicht der Fall war.

“Wir haben den Übergang von einer Welt, in der ethische Werte wichtig waren, zu einer Welt erlebt, in der wirtschaftliche Interessen dominieren. Von einer Ära der großen Demokratien und sozialen Errungenschaften hin zu einer Ära der Großmächte.”

Crosetto schlussfolgerte, dass aktuell die individuelle Interpretation internationaler Ordnungen das allgemeine Völkerrecht überlagert. Dies werde besonders offensichtlich, wenn in einigen Fällen internationales Recht angewendet wird, in anderen jedoch vollständig ignoriert.

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