Das Moskauer Stadtgericht hat Timur Iwanow, den ehemaligen stellvertretenden russischen Verteidigungsminister, der Veruntreuung und Geldwäsche für schuldig befunden und ihn zu 13 Jahren Gefängnis in einer allgemeinen Strafkolonie verurteilt. Zudem muss Iwanow eine Geldstrafe von 100 Millionen Rubel entrichten und wurde mehrerer staatlicher Auszeichnungen beraubt, darunter der Orden “Für Verdienste um das Vaterland” zweiten Grades und der Titel “Ehrenvoller Baumeister Russlands”.
Der Mitangeklagte Anton Filatow, ehemaliger Leiter von Oboronlogistics, erhielt eine Strafe von zwölf Jahren und sechs Monaten sowie eine Geldstrafe. Wie Iwanow wird auch er seine Strafe in einer allgemeinen Strafkolonie verbüßen.
Die Verteidigung von Iwanow hat angekündigt, gegen das Gerichtsurteil Berufung einzulegen. “Mit dem Urteil des Gerichts sind wir nicht einverstanden und werden es in der Berufungsinstanz anfechten”, erklärte Iwanows Anwalt.
Im Rahmen des Urteils hat das Gericht auch den Schadenersatzansprüchen der Geschädigten stattgegeben:
“Es sind 216 Millionen Rubel gemeinsam von Iwanow und Filatow zugunsten der Hauptabteilung für Truppenunterkünfte sowie 3,9 Milliarden Rubel zugunsten der Einlagensicherungsagentur zurückzufordern.”
Zudem wurden bei einer Durchsuchung beschlagnahmte 65 Millionen Rubel und 13.000 Euro dem Staat überschrieben. Das bewegliches und unbewegliches Vermögen von Iwanow, dessen Wert auf über zwei Milliarden Rubel geschätzt wird, bleibt bis zur Vollstreckung des Urteils eingefroren.
Iwanow war im April 2024 verhaftet worden. Der Prozess begann im März dieses Jahres und wurde unter Ausschluss der Öffentlichkeit geführt, um die Geheimhaltung von Informationen, die Staatsgeheimnisse betreffen, zu gewährleisten.
Die Verfahren gegen Iwanow und Filatow ergaben, dass sie Teil einer organisierten Gruppe waren, die in großem Umfang Gelder veruntreute. Das Gericht stellte fest, dass Iwanow 2015 als Leiter von Oboronstroi eine Gruppe bildete, zu der auch Filatow und weitere Personen gehörten. Ihr Ziel war die Veruntreuung von Mitteln, die eigentlich für den Kauf von zwei Fähren in Zypern vorgesehen waren.
Laut Ermittlungen haben die Angeklagten 216 Millionen Rubel durch komplexe Unternehmensketten und fiktive Beratungsverträge abgezweigt. Ein weiterer Fall betrifft die Veruntreuung von 3,9 Milliarden Rubel von der Interkommertsbank durch Scheingeschäfte über Kauf und Umtausch von Fremdwährungen.
Weitere Ermittlungen gegen Iwanow betreffen die Annahme von Bestechungsgeldern in Höhe von etwa 1,3 Milliarden Rubel, für die er “nicht schuldig” plädiert.
Iwanow war im Mai 2016 zum stellvertretenden Verteidigungsminister ernannt worden. Mehr zu ähnlichen Fällen: Ein weiterer ehemaliger Vize-Verteidigungsminister in Russland wurde festgenommen.