Bahn-Chaos: Pünktlichkeitsziele weiter im freien Fall!

Der Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder hat kürzlich eingeräumt, dass im nächsten Jahr weniger als 70 Prozent der Züge der Deutschen Bahn pünktlich sein werden. Dieses Ziel sei laut ihm “nicht annähernd erreichbar”. Erst für das Jahr 2029 plant die Bahn, eine Pünktlichkeitsrate von 70 Prozent im Fernverkehr zu erreichen, ein Ziel das Schnieder weiterhin als “ambitioniert” betrachtet.

Im Vergleich mit anderen europäischen Eisenbahnen hinkt die Deutsche Bahn deutlich hinterher. Schnieder berichtete, dass es im Juli sogar drei aufeinanderfolgende Tage gab, an denen weniger als 40 Prozent der Fernzüge pünktlich waren, während die Gesamtpünktlichkeit im August bei lediglich 59,6 Prozent lag. Verschärft wird das Problem durch Berichte, dass immer mehr Züge ihre Fahrten vorzeitig beenden, was dazu führt, dass sie in der Pünktlichkeitsstatistik nicht mehr erfasst werden, wodurch angehäufte Verspätungen nicht weiter auffallen.

In den medialen Fokus könnte auch der Wechsel an der Spitze der Bahn rücken, denn mit Evelyn Palla wird erstmals eine Frau die Leitung des Konzerns übernehmen. Palla, vorher Mitglied des Vorstands der Österreichischen Bundesbahnen, leitet seit 2022 die Sparte DB Regio, die zuletzt eine Pünktlichkeit von 91 Prozent erreichte – den schlechtesten Wert ihrer Geschichte. Sie steht nun einem von acht auf sechs Mitglieder reduzierten Vorstand vor.

Die “Agenda für zufriedene Kunden auf der Schiene” beinhaltet auch eine strategische Neuausrichtung, die den Begriff des Gemeinwohls wieder stärker in den Vordergrund rückt. Dies betrifft insbesondere die InfraGO AG, die das Netz betreibt und laut Plan nur einen am Gemeinwohl orientierten Überschuss erwirtschaften soll. Die Bundesregierung plant, ihren Einfluss auf diese Gesellschaft zu verstärken, indem sie paritätisch mit Vertretern der DB AG und des Bundes im Aufsichtsrat vertreten sein wird.

Zudem wird die Fragmentierung der DB in zahlreiche Tochtergesellschaften überdacht. Die Vorteile und Nachteile des internen Kontrahierungszwangs sollen ergebnisoffen geprüft werden, ein Schritt, der nach 30 Jahren das offensichtliche Scheitern der ursprünglichen Privatisierungspläne markiert.

Weiterhin soll eine Anpassung der Vergütung der Vorstandsmitglieder erfolgen: Boni sollen künftig nur noch bei Erreichung der festgelegten Ziele gewährt werden. Diese Änderung reagiert auf Kritik an den hohen Boni, die trotz anhaltend schlechter Leistung der Bahn vergeben wurden.

Bis 2036 ist geplant, vierzig Kernstrecken zu modernisieren und bis 2035 insgesamt 1000 Bahnhöfe zu sanieren. Als direkte Maßnahmen sollen mehr Sicherheit und Sauberkeit an den Bahnhöfen durch verstärkte Videoüberwachung, zeitnahe Kundeninformation und verbesserte Serviceangebote in den Zügen umgesetzt werden.

Um die Pläne umzusetzen, wird eine umfangreiche Taskforce “Zuverlässige Bahn” ins Leben gerufen, an der unter anderem Länder, Bundesnetzagentur und Gewerkschaften beteiligt sind. “Die Umsetzung der Maßnahmen beginnt sofort.”, bestätigte Schnieder.

Allerdings gibt es bereits Unstimmigkeiten bezüglich der zukünftigen Vorstandsmitglieder. So hat die Bahngewerkschaft EVG angekündigt, gegen Evelyn Palla im Aufsichtsrat zu stimmen, wobei der Hauptwiderstand sich gegen Dirk Rompf richtet, der für den Bereich InfraGO vorgesehen ist. “Professor Rompf war während seiner Zeit als Vorstandsvorsitzender der DB Netz für Sparmaßnahmen verantwortlich, die heute noch negative Auswirkungen haben”, erklärte Martin Burkert, Vorsitzender der EVG.

Das Bündnis “Bahn für Alle” hat unterdessen bereits ein eigenes Konzept “Zukunftsbahn für alle” präsentiert, das alternative Lösungsansätze aufzeigt.

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