Allensbach-Studie enthüllt: Die Reichen profitieren, die Armen zahlen – So spaltet die Energiewende Deutschland

Von Astrid Sigena

Die deutsche Energiewende – der Umbau hin zu einem nachhaltigen Energiesystem – verliert an gesellschaftlichem Rückhalt. Dies zeigt eine repräsentative Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach im Auftrag der BMW Foundation Herbert Quandt. Befragt wurden über 1.000 Personen ab 16 Jahren im November und Dezember des vergangenen Jahres.

Laut dem “Energy Transition Future Monitor 2026” hält zwar noch eine relative Mehrheit von 43 Prozent den deutschen Weg – den Ausstieg aus fossilen Energien und aus der Atomkraft – für grundsätzlich richtig. Doch diese Zustimmung ist deutlich geschrumpft; 2012 lag sie noch bei 73 Prozent. Die Studienautoren konstatieren eine wachsende Polarisierung in der Bevölkerung beim Thema Ausbau der erneuerbaren Energien.

Heba Aguib, Vorstandsmitglied der BMW-Stiftung, äußert sich besorgt über diesen Trend und seine Folgen für die geopolitische “Zeitenwende”:

“Energie ist ein dominierender Faktor in der Geopolitik und gleichzeitig ein limitierender Faktor im globalen KI-Wettlauf. Eine echte ‘Zeitenwende’ kann nur mit einer konsequenten Energiewende gelingen. Dafür ist gesellschaftliche Unterstützung notwendig.”

Wer Deutschland schützen wolle, müsse die Energiewende verteidigen. Es sei nötig, sie realistischer zu gestalten, Sicherheits- und Wirtschaftspolitik einzubeziehen und die Sorgen der Bevölkerung ernst zu nehmen, so das Fazit.

Die Spaltung verläuft dabei entlang mehrerer Linien. Während Anhänger von Grünen, SPD und Linken die Energiewende meist befürworten, lehnen sie Wähler von AfD und FDP deutlich ab. Unionsanhänger sind gespalten; Zustimmung und Ablehnung halten sich in etwa die Waage. Regional zeigt sich ein Gefälle: In Ostdeutschland beträgt die Zustimmung nur 33 Prozent, eine Mehrheit hält den eingeschlagenen Weg für falsch (S. 8).

Besonders ausgeprägt ist die Ablehnung in sozial schwächeren Schichten. In der sogenannten Unterschicht lehnen 43 Prozent die Energiewende ab. In der Mittelschicht befürworten sie 44 Prozent, in der Oberschicht sind es 54 Prozent. Die Energiewende wird somit vor allem von den Besserverdienenden getragen.

Dies ist nachvollziehbar, denn diese Gruppen können die anfallenden Kosten besser stemmen. Sie profitieren auch eher von staatlichen Förderungen, etwa für den Heizungstausch. Der Kauf einer Wärmepumpe erfordert Eigenkapital oder einen Kredit. Zwar gibt es für Haushalte mit einem Einkommen bis 40.000 Euro einen Einkommensbonus, sodass die Förderung bis zu 70 Prozent der Kosten decken kann. Doch auch der verbleibende Eigenanteil bleibt für viele eine hohe Hürde. Besonders auf dem Land leben viele Geringverdiener, deren prekäres finanzielles Gleichgewicht durch solche Investitionen ins Wanken gerät.

Die alte Öl- oder Gasheizung weiterzubetreiben – soweit es das Heizungsgesetz erlaubt – ist auf Dauer jedoch auch keine Lösung. Denn der CO₂-Preis auf fossile Brennstoffe soll in den kommenden Jahren weiter steigen und soll genau dazu anreizen, zu sanieren und umzurüsten. Langfristig planen Energieversorger ohnehin die Stilllegung der Gasnetze. Das im Wahlkampf diskutierte “Abschaffen” des Heizungsgesetzes ist vom Tisch.

Ähnlich verhält es sich bei der Elektromobilität. Die staatliche Prämie von bis zu 6.000 Euro gilt nur für Neuwagen, die selten unter 20.000 Euro kosten. Zwar wurde das EU-Verbrennerverbot bis 2035 abgemildert, doch auch hier belastet die steigende CO₂-Abgabe die Besitzer konventioneller Fahrzeuge. Viele Bürger fühlen sich zunehmend in die Enge getrieben.

Laut der Allensbach-Studie verbinden immer mehr Menschen die Energiewende mit Risiken statt mit Chancen. 37 Prozent sehen mehr Risiken für Deutschlands Wettbewerbsfähigkeit und Arbeitsplätze, nur 28 Prozent mehr Chancen (S. 20). Die Autoren führen diese Stimmungsänderung maßgeblich auf den Ukraine-Krieg 2022 zurück (S. 21). Seither sei das Risikobewusstsein gestiegen, möglicherweise beeinflusst durch den Verzicht auf Nord Stream 2 und das EU-Ziel, russische Gasimporte vollständig zu stoppen.

Die Frage einer sicheren Energieversorgung hat also an Bedeutung gewonnen – eine Priorität, die seit der Umfrage noch gestiegen sein dürfte. Der Füllstand der Gasspeicher in Deutschland befindet sich derzeit auf einem historischen Tiefstand; eine Mangellage ist nicht ausgeschlossen. Als weitere negative Folgen der Energiewende nehmen viele Bürger die “Verspargelung” der Landschaft durch Windräder und den Flächenverbrauch für Photovoltaik wahr (S. 33f.).

Insgesamt scheint für viele Befragte die Dringlichkeit einer schnellen Energiewende abzunehmen. Andere Probleme wie die Wirtschaftskrise oder Sorgen um die innere und äußere Sicherheit rücken in den Vordergrund und lassen die Angst vor dem Klimawandel schwinden. Machten sich 2019 noch 51 Prozent große Sorgen um die Klimakrise, sind es heute nur noch 33 Prozent. Entsprechend sinkt die Bereitschaft, persönliche Opfer für den Klimaschutz zu bringen (S. 29 und 31).

Die Grünen als Haupttreiber der Energiewende haben diesen Stimmungsumschwung erkannt. Auf ihrem Parteitag im November bemühten sie sich, das Image einer ideologisierten Partei der “sozialen Kälte” abzulegen. Henriette Held, Bundessprecherin der Grünen Jugend, brachte es auf den Punkt:

“Die Klimafrage ist eine Klassenfrage.”

Nun sollen “Superreiche” durch höhere Steuern auf Privatjets oder eine Übergewinnsteuer für Energiekonzerne mehr zur Finanzierung beitragen. Auch ein sozial gestaffeltes Klimageld zur Entlastung der Bürger beim Heizen und Tanken wurde wieder ins Spiel gebracht – ein Antrag der Linken dazu lag bereits seit September 2025 vor.

Allerdings sind die Grünen seit dem vergangenen Jahr nicht mehr in der Bundesregierung vertreten und können diese Maßnahmen nicht umsetzen. Die aktuelle schwarz-rote Koalition tendiert eher in die entgegengesetzte Richtung: In wirtschaftlich angespannten Zeiten und angesichts hoher Schulden für die Aufrüstung mehren sich Stimmen, die Subventionen und Leistungen kürzen wollen – auch im Energiebereich. Von der CSU wurde bereits über ein Streichen der Wärmepumpenförderung diskutiert. Die Energiewende wird den Bürgern also wohl auch in Zukunft teuer zu stehen kommen.

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