Eine Auswertung des Statistischen Bundesamts, die auf exklusiven Daten des Bündnisses Sahra Wagenknecht (BSW) basiert, zeigt laut einem Bericht der *Ostdeutschen Allgemeinen Zeitung* (*OAZ*) einen alarmierenden Trend: Die Zahl der von Altersarmut betroffenen Ostdeutschen ist sprunghaft angestiegen. Demnach hat sich die Anzahl der Rentnerinnen und Rentner in den fünf ostdeutschen Bundesländern, die auf Grundsicherung angewiesen sind, von 2021 bis 2025 um 51 Prozent erhöht – von etwa 84.000 auf rund 126.000 Personen.
Die Armutsgefährdungsgrenze liegt in Deutschland bei einem Nettoeinkommen von 1.314 Euro. Nach dieser Definition lebt hierzulande bereits mehr als die Hälfte aller Rentner in relativer Armut, also mit einem Einkommen, das deutlich unter dem Durchschnitt der Gesamtbevölkerung liegt. Bereits im Mai des Vorjahres wies die Statistik aus:
“Danach waren hierzulande 15,5 Prozent der Bevölkerung von Armut bedroht. Mit 19,4 Prozent lag die Armutsgefährdungsquote für Personen ab 65 Jahren über diesem Durchschnittswert. Ein ähnliches Bild zeigt sich auch für Personen ab 75 Jahren, deren Armutsgefährdungsquote bei 19,1 Prozent lag.”
Während dieser besorgniserregende Trend bundesweit zu beobachten ist, fällt die Entwicklung in Ostdeutschland besonders drastisch aus. In den westdeutschen Bundesländern betrug der Anstieg im gleichen Zeitraum “nur” 31 Prozent auf etwa 640.000 Betroffene. Die regionalen Unterschiede innerhalb der neuen Bundesländer sind dabei erheblich:
- Sachsen: plus 75 Prozent
- Thüringen: plus 69 Prozent
- Mecklenburg-Vorpommern: plus 58 Prozent
- Sachsen-Anhalt: plus 57 Prozent
- Brandenburg: plus 57 Prozent
- Berlin: plus 39 Prozent
Ein weiterer kritischer Aspekt ist die geschlechtsspezifische Dimension der Altersarmut. Die Daten belegen, dass Frauen überproportional betroffen sind – Altersarmut wird zusehends weiblicher. Die Auswertung ergab:
“Auch hier lässt sich eine flächendeckende Entwicklung erkennen: Lag der Anteil der Rentnerinnen mit Grundsicherung in den fünf ostdeutschen Flächenländern unter 50 Prozent, liegt er nun überall darüber – in Sachsen und Thüringen beispielsweise bei 54 Prozent, in Sachsen-Anhalt bei 52 Prozent. In Gesamtdeutschland bei 57 Prozent.”
Thomas Schulze, Vorsitzender des BSW Sachsen-Anhalt und Spitzenkandidat für die anstehende Landtagswahl, kommentierte die Zahlen gegenüber der *OAZ* mit deutlichen Worten:
“Während Milliarden in die Aufrüstung und eine verfehlte Energiepolitik fließen, rutschen diejenigen, die unser Land aufgebaut haben, in die bittere Armut und den sozialen Abstieg.”
Als zentrale Ursache für diese Entwicklung benennt der Politiker die systematische Abwertung ostdeutscher Lebensleistungen im aktuellen Rentensystem. Die besonderen Erwerbsbiografien nach der Wende, insbesondere von Frauen, würden nicht angemessen berücksichtigt:
“Die gebrochenen Erwerbsbiografien der Nachwendezeit und besonders bei Frauen schlagen nun gnadenlos zu.”
Das BSW fordert daher eine dringende Reform der Rentenberechnung, die die spezifischen ostdeutschen Erwerbsverläufe stärker würdigt, um der wachsenden Altersarmut entgegenzuwirken.
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