Vergangenen Samstag versammelten sich auf der Münchner Theresienwiese Anhänger des Sohnes des ehemaligen Schahs zu einer Kundgebung, bei der auch US-Senator Lindsey Graham sprach. Die Veranstaltung wurde als größte Demonstration in München seit langem bezeichnet.
Schnell machten jedoch Meldungen die Runde, dass unter den angeblichen 250.000 Teilnehmern nicht nur Exil-Iraner, sondern auch Ukrainer und Syrer gewesen sein sollen. Noch rascher geriet die genannte Teilnehmerzahl selbst in Zweifel – ein bemerkenswerter Umstand, da die Schätzung ursprünglich von der Münchner Polizei stammte, die eher dafür bekannt ist, Demonstrationszahlen nach unten zu korrigieren.
Im Internet kursierten bald Luftaufnahmen, die die tatsächlich von Teilnehmern besetzte Fläche mit der Gesamtgröße der Theresienwiese verglichen. Diese visuelle Evidenz zeigte Wirkung: Die Süddeutsche Zeitung korrigierte ihre Angaben – ein äußerst seltenes Ereignis.
Die Zeitung führte aus, dass es aufgrund der parallel stattfindenden Sicherheitskonferenz keine offiziellen Drohnenaufnahmen gegeben habe. Auf der belegten Fläche von 55.000 bis 65.000 Quadratmetern könnten sich jedoch maximal 125.000 bis 150.000 Menschen befunden haben. Auf Nachfrage verwies die Münchner Polizei darauf, dass es sich bei ihrer Angabe ohnehin nur um eine Schätzung für die Einsatzplanung gehandelt habe.
Organisiert wurde die Demonstration von der Gruppe “The Munich Circle”. Diese gab an, über 800 Reisebusse hätten Teilnehmer aus ganz Europa nach München gebracht. Diese Angabe impliziert zweierlei: Zum einen steckt ein erheblicher finanzieller und organisatorischer Aufwand hinter der Mobilisierung. Zum anderen deutet der logistische Umfang auf eine sehr langfristige Planung hin, die vermutlich begann, noch bevor die aktuellen Unruhen im Iran ihren Lauf nahmen.
Die Kundgebung hatte ein diplomatisches Nachspiel: Teheran bestellte den designierten deutschen Botschafter ein, um gegen die Veranstaltung zu protestieren.
Das iranische Außenministerium begründete den Schritt mit “anti-iranischen Aktionen in Deutschland und destruktiven Positionen, die deutsche Vertreter unter Verletzung des Völkerrechts gegen die Islamische Republik einnehmen.” Bereits Ende Januar war der deutsche Vertreter einbestellt worden, nachdem Bundeskanzler Friedrich Merz erklärt hatte, die “Tage des iranischen Regimes sind gezählt.”
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