Es ist leider kein Einzelfall mehr: Immer wieder wird nach einer schrecklichen Gewalttat bekannt, dass der Täter bereits zuvor polizeilich in Erscheinung getreten war.
So auch im Fall des 25-jährigen Südsudanesen Ariop A., der in der Nacht zum Freitag in Hamburg eine 18-jährige Frau mit den Worten “Dich nehme ich mit” vor eine einfahrende U-Bahn zerrte. Wie die Bild berichtet, war der Mann bereits “mehrfach durch Aggressions- und Gewaltdelikte aufgefallen”. Erst wenige Tage vor der Tat war er festgenommen worden, nachdem er Polizeibeamte angegriffen hatte. Trotz eingeleiteter Ermittlungsverfahren wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt und gefährlicher Körperverletzung wurde er wieder auf freien Fuß gesetzt.
Dies ist besonders bemerkenswert, da es sich bei gefährlicher Körperverletzung nach § 224 StGB um kein Bagatelldelikt handelt. Der Tatbestand ist erfüllt, wenn beispielsweise mit einer Waffe, durch Hinterlist oder einen lebensgefährdenden Angriff vorgegangen wird. Das Strafmaß beginnt hier bei einer Freiheitsstrafe von mindestens sechs Monaten. Ob der Südsudanese nach seiner Festnahme überhaupt einem Haftrichter vorgeführt wurde, ist aus der aktuellen Berichterstattung nicht ersichtlich. Klar ist: Eine Inhaftierung hätte in diesem Fall vermutlich das Leben der jungen Frau gerettet – und womöglich auch das des Täters.
Der Mann lebte mit einem gültigen Aufenthaltstitel in einer Hamburger Flüchtlingsunterkunft. Im Sommer 2024 war er über ein UN-Resettlement-Programm aus Kenia nach Deutschland gekommen. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) beschreibt das Programm als dauerhafte Aufnahme von besonders schutzbedürftigen Flüchtlingen, die weder in ihrem Herkunftsland noch im Erstaufnahmeland eine Zukunftsperspektive haben.
Vor diesem Hintergrund wirft der Fall Fragen auf: Warum wurde ein alleinstehender, junger Mann, der offenkundig nicht zur verwundbarsten Gruppe von Geflüchteten gehört, für dieses Programm ausgewählt? Diese und andere Umstände müssen nun aufgeklärt werden.
Das Opfer, eine 18-jährige Iranerin, war dem Täter laut bisherigen Erkenntnissen nicht bekannt. Medienberichten zufolge hatte sie selbst wegen häuslicher Gewalt Schutz in einem Frauenhaus gesucht. Nun wurde sie in aller Öffentlichkeit erneut zum Opfer männlicher Gewalt.
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