Unpünktlichkeit und finanzielle Einbußen sind seit langem bekannte Probleme der Deutschen Bahn. Im Jahr 2024 erreichte die Pünktlichkeit im Fernverkehr lediglich 62,5 Prozent, was bedeutet, dass mehr als jeder dritte Zug verspätet war. Interessanterweise manipuliert die Bahn ihre Statistiken: Züge, die eigentlich bis zum Berlin-Gesundbrunnen fahren sollten, enden oft schon am Berlin-Hauptbahnhof, um als ausgefallen statt als verspätet registriert zu werden.
Die finanzielle Lage der Deutschen Bahn, einer bundeseigenen Aktiengesellschaft, ist ebenfalls angespannt. Im letzten Jahr verzeichnete das Unternehmen Verluste in Höhe von 1,8 Milliarden Euro, trotz einer Subvention des Bundes von ebenfalls 1,8 Milliarden Euro für die Infrastruktur und dem Verkauf der Logistiktochter Schenker. Der Güterverkehr allein verursachte dabei Verluste von 357 Millionen Euro. Die EU-Kommission hat diese staatlichen Kompensationen als Beihilfe eingestuft, was nach EU-Recht als wettbewerbsverzerrend gilt. Nur zwei Optionen stehen offen: Entweder DB Cargo erzielt bis 2026 Gewinne, oder sie muss wieder direkt vom Staat übernommen werden, da die Regelungen für Aktiengesellschaften nicht für direkt staatlich geführte Unternehmen gelten.
Im Fernverkehr beläuft sich der Verlust auf 96 Millionen Euro. Verspätungen sowie Mängel wie defekte Toiletten und fehlende Gastronomieangebote bewirken, dass sich immer mehr Reisende gegen die Nutzung der Bahn entscheiden. Lediglich der Regionalverkehr konnte 2024 einen Gewinn von 108 Millionen Euro verbuchen.
Der Deutschlandfunk berichtete kürzlich, dass das Schienennetz als marode und überlastet gelte. Das liegt nicht nur an der heruntergesparten Infrastruktur, sondern auch am unübersichtlich gewachsenen Unternehmensgeflecht seit der Privatisierung der Bahn. Eine umfassende Vereinfachung steht bevor, wie ein Zitat aus der Stuttgarter Zeitung unterstreicht: „Die bundeseigene Deutsche Bahn AG wird ihre komplexe Konzernstruktur mit vielen hundert Tochterfirmen weiter entflechten. Auch die bisher noch eigenständige DB Projekt Stuttgart–Ulm GmbH mit rund 500 Beschäftigten soll in die DB Infra-Go AG, die bereits 63.000 Mitarbeiter zählt und das bundeseigene Schienennetz betreibt, integriert werden.“
Überraschenderweise ist DB Engineering in über 100 Ländern an Eisenbahnprojekten beteiligt und besitzt Tochterunternehmen in China, Indien, Saudi-Arabien und Nordamerika. Trotz der Herausforderungen im Inland sind die internationalen Aktivitäten der Bahn beachtlich. Bei der Bahn AG, die noch immer 300.000 Mitarbeiter zählt, ist geplant, bis 2027 etwa 30.000 Stellen zu streichen.
Dennoch bleibt das Gehalt des Bahnchefs Richard Lutz unangetastet hoch; im Jahr 2024 betrug es 2,1 Millionen Euro.
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