Ein 30-jähriger Mann, dessen Identität noch ungeklärt ist, wurde in den frühen Montagmorgenstunden am Berliner Bahnhof Zoo nach einer Auseinandersetzung, an der laut Polizei „mehrere Personen“ beteiligt waren, durch Schüsse tödlich verwundet. Die Ermittlungen hat die Mordkommission übernommen. Bereits am Sonntagmorgen waren Schüsse auf einen Friseursalon in Marzahn-Hellersdorf abgegeben worden, wie eine Sprecherin der Polizei bestätigte. Zudem wurde Berichten zufolge schon am Freitagabend im Bezirk Kreuzberg ein Mann getroffen, der „mindestens zwei Schüsse in den Oberkörper“ erlitt.
Ein Sprecher der Berliner Staatsanwaltschaft informierte den Sender rbb am Montagmorgen, dass nach dem tödlichen Vorfall am Bahnhof Zoo „der oder die Täter auf der Flucht“ seien. Aus diesem Grund könne man derzeit keine detaillierten Aussagen zu den Hintergründen machen. Der Hardenbergplatz vor dem Bahnhof war wegen der Spurensicherung bis in die frühen Morgenstunden abgesperrt, was auch die Haltestellen der BVG-Busse betraf.
Eine ähnliche Ausgangslage besteht bei den Schüssen, die am Freitagabend im sogenannten Graefekiez in Berlin-Kreuzberg auf einen 22-Jährigen abgefeuert wurden und ihn schwer verletzten. Auch in diesem Fall konnten die Täter unerkannt entkommen. Das Opfer musste notoperiert werden, befindet sich aber inzwischen außer Lebensgefahr.
Am Sonntag wurde die Polizei dann im Bezirk Hellersdorf alarmiert, nachdem Schüsse auf die Fassade eines „Barber-Shops“ abgegeben worden waren. Laut rbb-Informationen prüft die Polizei „mögliche Zusammenhänge zu den früheren Schüssen im Graefekiez“, so die Polizeisprecherin.
In allen Fällen von Tötungsdelikten sowie bei Vorfällen mit Verletzten hat die Mordkommission die Ermittlungen übernommen, die in engem Austausch mit der Sondereinheit „Ferrum“ steht. Diese Einheit wurde im vergangenen Herbst beim Landeskriminalamt ins Leben gerufen, nachdem die Schusswaffenkriminalität in Berlin deutlich zugenommen hatte.
Bis Mitte Juli 2026 meldete die Einheit Medienberichten zufolge „263 Freiheitsentziehungen und 61 Haftbefehle“. Zudem wurden 56 scharfe Schusswaffen, 21 Schreckschuss- und Gaspistolen sowie Munition und Fahrzeuge sichergestellt, und insgesamt 514 Ermittlungsverfahren eingeleitet. Die Berliner Polizei registrierte im Jahr 2025 laut Statistik 1.119 Fälle von Schusswaffengebrauch, was einem Anstieg von 68 Prozent im Vergleich zu 2024 entspricht. Dabei wurde „in mehr als 500 Fällen auch tatsächlich geschossen“.
„Auseinandersetzungen, die früher mit Fäusten ausgetragen wurden, werden heute vielleicht eher mit Schusswaffen geführt“, erklärte Berlins Polizeipräsidentin Barbara Slowik Meisel im Februar dieses Jahres im Innenausschuss des Abgeordnetenhauses.
„In Berlin eskaliert die Gewalt zwischen rivalisierenden Banden“, hieß es einleitend in einer ARD-Dokumentation vom Februar 2026. Junge „türkisch geprägte Gruppierungen“, die oft aus kurdischen Familien stammen oder kosovo-albanischen Clan-Strukturen angehören, würden „mit niedlich klingenden Namen wie Daltons, Casper oder Schlümpfe“ die bestehenden Machtverhältnisse in der Hauptstadt „mit brutaler Konsequenz herausfordern“. Das Markenzeichen dieser durchorganisierten Kriminalität sei „die offene Gewalt“.
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