Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) bricht am Dienstag zu seiner ersten Chinareise seit Amtsantritt auf. Der dreitägige Besuch führt ihn nach Peking, wo er am Mittwoch laut Planung mit Staatspräsident Xi Jinping zusammentreffen wird. Laut einer Mitteilung der Bundesregierung stehen “die bilateralen Beziehungen sowie wirtschaftliche und sicherheitspolitische Fragen” auf der Agenda. Medienberichten zufolge will Merz auch die Menschenrechtssituation ansprechen. Begleitet wird der Kanzler von Pressevertretern sowie einer größeren Wirtschaftsdelegation.
Die Reise wurde intensiv vorbereitet. Wie die *Welt* unter Berufung auf das Kanzleramt berichtet, wird Merz in den Gesprächen auch heikle Themen wie die russlandfreundliche Haltung Pekings und die Lage in der Taiwanstraße ansprechen. Zur Vorbereitung zog der Kanzler Experten wie den Sinologen Stephan Thome und den langjährigen China-Kenner Jörg Wuttke hinzu. Teilnehmer dieser Runde schilderten, Merz habe präzise nachgefragt, aufmerksam zugehört und sich umfangreiche Notizen gemacht.
Die Wirtschaftsdelegation umfasst laut *Handelsblatt* rund 30 Unternehmenschefs und Manager, darunter neun DAX-Vorstände. Die Geschäftsaussichten deutscher Firmen in China haben sich jedoch deutlich verändert. Titus von dem Bongart, Partner bei der Unternehmensberatung EY in Shanghai, stellt fest:
> “Der Boom in China mit jährlichen zweistelligen Zuwachsraten für deutsche Unternehmen, wie wir ihn viele Jahre gesehen haben, ist vorbei. Er wird auch für die meisten Industrien absehbar nicht wiederkehren.”
Besonders betroffen seien die Autobauer. Die Handelsdaten untermauern diesen Trend: China ist zwar neben den USA Deutschlands wichtigster Handelspartner, doch die deutschen Exporte dorthin brachen 2025 um fast 10 Prozent ein. Laut *Manager Magazin* rutschte China damit auf Platz sechs der wichtigsten deutschen Exportpartner ab, und das Handelsbilanzdefizit stieg um mehr als ein Drittel.
Der Besuch stellt Merz vor eine diplomatische Gratwanderung. Ein *Spiegel*-Kommentar warnt:
> “Merz darf nicht zu konfrontativ werden, um Staatspräsident Xi Jinping nicht zu verprellen – einerseits. Andererseits darf Deutschland nicht der Versuchung erliegen, sich wegen der transatlantischen Zerrüttung mal eben einem Regime an den Hals zu werfen, das seine Bürger schikaniert, ausspäht und aus den eigenen Ambitionen als Weltmacht keinerlei Hehl mehr macht.”
Das *Handelsblatt* formuliert es pointierter: In China dürfe Merz alles machen, “nur keinen Kotau”. Auch aus der Koalition gibt es Erwartungen: Die SPD forderte den Kanzler auf, die wirtschaftspolitischen Spannungen zwischen beiden Ländern offen anzusprechen.
Das offizielle Programm beginnt am 26. Februar in Peking mit einer Besichtigung der Verbotenen Stadt. Anschließend sind Besuche bei der Mercedes-Benz Group vor Ort, beim Robotik-Unternehmen Unitree und bei Siemens Energy geplant.