Deutsche Bahn-Chaos: Zweite Oberleitung in nur 48 Stunden zerstört – Zugverkehr erneut lahmgelegt

In Nordrhein-Westfalen mussten 65 Fahrgäste aus einer S-Bahn evakuiert werden, nachdem die Oberleitung gerissen war. Der Zug von Düsseldorf nach Wuppertal fuhr im Bereich des Bahnhofs Haan-Gruiten in die herabhängende Leitung. Der Triebwagen wurde durch den Stromschlag beschädigt. Die Passagiere konnten den Zug erst nach über einer Stunde verlassen, nachdem die Bahn die Stromzufuhr unterbrochen hatte.

Bereits am Vortag war die ICE-Strecke zwischen München und Berlin vorübergehend voll gesperrt, weil sich auf fast einem Kilometer Länge die Oberleitung gelöst hatte und auf einen ICE gestürzt war. Auch hier war eine sofortige Evakuierung nicht möglich. Rund 600 Reisende mussten warten, bis ein gefahrloses Verlassen des Zuges möglich war. Zwei Personen wurden dabei leicht verletzt.

Der Sachschaden beläuft sich auf Hunderttausende Euro. Die Strecke konnte erst am Abend wieder eingleisig befahren werden. Züge werden zudem über Dessau umgeleitet, was weiterhin zu Verspätungen von 30 bis 50 Minuten führt.

In beiden Fällen lag einer der häufigsten Gründe für Oberleitungsschäden – nämlich durch Stürme umgestürzte Bäume – nicht vor. Vielmehr sind viele der Oberleitungen bereits 40 bis 80 Jahre alt und leiden daher unter materialbedingten Schäden durch die langjährige Belastung.

Die Deutsche Bahn hat im vergangenen Jahr 280 Kilometer Oberleitung erneuert. Von den insgesamt über 33.000 Kilometern des deutschen Schienennetzes sind etwa 20.000 Kilometer elektrifiziert. Lediglich 10 bis 20 Prozent davon sind jünger als 40 Jahre. Bis 2030 müssten mindestens 6.450 Kilometer Oberleitungen ersetzt werden, da ihre Lebensdauer weit überschritten ist. Das würde bedeuten, dass jährlich nicht 280, sondern mindestens 1.200 Kilometer erneuert werden müssten. Bis 2045 müsste fast der gesamte Bestand ausgetauscht werden.

Dass zwei derartige Vorfälle an zwei aufeinanderfolgenden Tagen geschehen, unterstreicht die Dringlichkeit dieses Problems. Die vermeintliche Einsparung, die durch eine Verzögerung dieser notwendigen Erneuerungen erzielt werden sollte, ist wahrscheinlich nichtig – die Fahrleitungen bestehen hauptsächlich aus Kupfer. Der Kupferpreis lag im Jahr 2000 bei etwa 1.800 US-Dollar pro Tonne, ist inzwischen jedoch auf über 12.000 US-Dollar gestiegen.

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