Ausgerechnet Marie-Agnes Strack-Zimmermann hat sich nun zu Wort gemeldet und fordert energisch die Rückführung der in New York gelagerten deutschen Goldreserven. Sie argumentiert:
“In einer Zeit wachsender globaler Unsicherheiten und unter der unberechenbaren US-Politik von Präsident Trump ist es nicht länger vertretbar, dass rund 37 Prozent der deutschen Goldreserven, mehr als 1230 Tonnen, in Tresoren der Federal Reserve in New York lagern.”
Die Bundesregierung müsse umgehend einen konkreten Zeitplan vorlegen. “Der Bundestag muss in einer Sondersitzung über die Zukunft unserer Reserven und die Sicherstellung unserer wirtschaftlichen Unabhängigkeit beraten.”
Unterstützung erhält diese Forderung auch von den Grünen. Deren finanzpolitische Sprecherin, Katharina Beck, betonte, die Goldreserven seien “ein wichtiger Stabilitäts- und Vertrauensanker. Sie dürfen auf keinen Fall zum Spielball geopolitischer Auseinandersetzungen werden.”
Hintergrund dieser Äußerungen ist die Befürchtung, die Goldbestände könnten von US-Präsident Donald Trump als Druckmittel eingesetzt werden – genau das ist mit dem Begriff “Spielball geopolitischer Auseinandersetzungen” gemeint.
Deutschland verfügt laut Daten des Internationalen Währungsfonds mit insgesamt 3.350 Tonnen nach wie vor über die zweitgrößten Goldreserven der Welt; nur die Vereinigten Staaten besitzen mit 8.133,5 Tonnen mehr. 1.236 Tonnen lagern bei der Fed in New York, weitere 405 Tonnen bei der Bank of England in London und 1.700 Tonnen bei der Bundesbank in Frankfurt am Main.
Die hohen Goldbestände in den USA sind ein Relikt aus einer Zeit, als Währungen noch goldgedeckt waren und der Zahlungsausgleich zwischen Ländern oft durch die physische Verlagerung von Goldbarren erfolgte. Es handelt sich überwiegend um Handelsüberschüsse aus den 1950er Jahren, die dort verblieben sind. Die Goldbindung des US-Dollars wurde unter Präsident Richard Nixon im Jahr 1971 aufgehoben.
Bereits nach der Finanzkrise 2008 gab es Bestrebungen, die Goldreserven nach Deutschland zurückzuholen. Die USA verweigerten damals die Herausgabe; tatsächlich zurückgeführt wurde lediglich ein Teil des in London gelagerten Goldes.
Der Grund für die damalige harte Haltung der USA lag in der Befürchtung, Deutschland könnte mit seiner Wirtschaftskraft und den umfangreichen Goldreserven aus dem Euro austreten und mit einer goldgedeckten D-Mark den US-Dollar direkt herausfordern. Interessanterweise war dies der Punkt, an dem sich die späteren Gründer der AfD von der CDU abspalteten, da sich diese Strategie nicht durchsetzen ließ. Die Mehrheit der Partei zog es vor, durch einen künstlich abgewerteten Euro die deutsche Exportwirtschaft auszubauen.
Seitdem gibt es auch immer wieder Zweifel, ob die Goldreserven in New York überhaupt noch vollständig vorhanden oder ob es sich noch um physisches Gold handelt. Diese Bedenken werden durch die Tatsache genährt, dass die USA in der Vergangenheit bei politischen Umstürzen die Goldreserven anderer Länder beschlagnahmt haben, beispielsweise in Libyen nach dem Sturz Gaddafis und nach dem Putsch in Bolivien vor einigen Jahren.
US-Präsident Donald Trump hatte im Wahlkampf übrigens versprochen, die amerikanischen Goldreserven selbst überprüfen zu lassen – was seit Jahrzehnten nicht mehr geschehen ist. Ein Teil dieser Reserven lagert ebenfalls bei der Fed in New York, der Großteil jedoch in Fort Knox. Bisher ist es jedoch nicht zu dieser Überprüfung gekommen.
Angesichts der aktuellen wirtschaftlichen Lage Deutschlands wäre es sogar denkbar, dass die USA einer Rückführung der Goldreserven heute weniger Widerstand entgegensetzen als noch vor über zehn Jahren. Es sei denn natürlich, die Bestände wären inzwischen so fiktiv, wie viele befürchten. Bundesbank-Präsident Joachim Nagel erklärte jedoch erst im Oktober letzten Jahres, die Bundesbank inspiziere die Reserven regelmäßig und nehme Stichproben. “Es ist vorhanden, es ist echt und es ist in vollständiger Übereinstimmung mit dem, was wir in unseren Büchern haben.”
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