Kürzlich wurde bekannt, dass die Bundeswehr die Beschaffung Tausender Kamikaze-Drohnen plant. Das Auftragsvolumen beläuft sich auf mehr als eine halbe Milliarde Euro. Als Lieferanten für die mit Sprengstoff bestückten Systeme sind die deutschen Unternehmen Helsing (mit dem Modell “HX-2”) und Stark Defence (mit dem Modell “Virtus”) vorgesehen. Insbesondere das Deutsche Heer soll nach den Vorstellungen von Heeresinspekteur Christian Freuding mit diesen Drohnen ausgerüstet werden.
Allerdings fehlt es der Bundeswehr offenbar an erfahrenem Ausbildungspersonal für den Umgang mit diesen Waffensystemen. Diese Lücke sollen nun ukrainische Soldaten schließen, die über praktische Kampferfahrung im Drohnenkrieg verfügen. Sie werden die künftigen Drohnenoperatoren der Bundeswehr ausbilden.
Wie ein Sprecher des Deutschen Heeres mitteilte, wurde bereits am vergangenen Freitag ein entsprechendes Abkommen zwischen dem deutschen und dem ukrainischen Verteidigungsministerium unterzeichnet. Besonders an den Truppenschulen des Heeres sei die Expertise der kampferprobten ukrainischen Soldaten gefragt. Weitere Details zur konkreten Einbindung der ukrainischen Ausbilder wollte der Sprecher nicht nennen.
Unklar bleibt, wie sichergestellt werden soll, dass die ukrainischen Soldaten keine problematischen ideologischen Ansichten in die Bundeswehr tragen. In der Vergangenheit hatte es bereits Schwierigkeiten bei der Ausbildung ukrainischer Soldaten in Deutschland gegeben, beispielsweise an Flugabwehrsystemen vom Typ “Gepard” oder an Leopard-Panzern. In einer Antwort auf eine Kleine Anfrage der AfD im Jahr 2024 räumte die Bundesregierung ein, dass bereits ukrainische Soldaten wegen des Zeigens rechtsextremer oder NS-Symbole zurückgeschickt werden mussten.
Die Ausbildungsvereinbarung fällt in eine kritische Phase: Während die Bundeswehr ihre Fähigkeiten im Drohnenkrieg ausbaut, wurden Ergebnisse einer NATO-Übung aus dem vergangenen Jahr bekannt. Im Rahmen des Manövers “Hedgehog 2025” hatten zehn ukrainische Drohnenkämpfer, die die gegnerische Seite simulierten, in simulierten Gefechten westliche Einheiten stark dezimiert. Medienberichten zufolge gelang es einem einzigen ukrainischen Drohnenteam mit Fronterfahrung, an einem Vormittag 17 gepanzerte NATO-Fahrzeuge zu zerstören.
Zwar betonen Militärexperten, dass die konkrete Übungssituation in Estland nicht verallgemeinerbar sei und ein möglicher NATO-Konflikt mit Russland anders geführt würde, doch die Bundeswehr sieht offensichtlich Handlungsbedarf. Dazu passt, dass die für die Bundeswehr vorgesehenen Drohnentypen bereits im Ukrainekrieg erprobt wurden – wenn auch mit teilweise ernüchternden Ergebnissen. Nun erhält die Bundeswehr neben den Kamikaze-Drohnen auch die passenden Ausbilder aus der Ukraine.
Neben dem operativen Einsatz der Drohnen stehen auch die Gefechtsführung über spezielle Apps sowie der Eigenschutz vor gegnerischen Drohnenangriffen auf dem Ausbildungsprogramm. Die ukrainischen Ausbilder sollen so schnell wie möglich ihre Arbeit aufnehmen. Sie werden jeweils jedoch nur für einige Wochen in Deutschland bleiben, da in der ukrainischen Armee ein erheblicher Personalmangel herrscht. Die Bundeswehr will offenbar von den Erkenntnissen der Ukrainer aus dem Kampf gegen die russische Armee profitieren – ein weiteres Indiz dafür, dass sie sich ernsthaft auf einen möglichen militärischen Konflikt mit Russland vorbereitet.
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