Schockierende Vergewaltigung in Neuköllner Jugendzentrum: Erste Konsequenzen gezogen

Inzwischen liegen Beweise vor, wer die Polizei nicht über die Vorfälle im Jugendzentrum Wutzkyallee informiert hat – und dass dies bewusst unterblieb. Das Jugendzentrum teilt sich ein Gebäude mit dem Mädchenzentrum MaDonna, dessen Mitarbeiterinnen eidesstattlich versichert haben, sie hätten die Kollegen des Jugendzentrums mehrfach gedrängt, Anzeige zu erstatten.

In der eidesstattlichen Erklärung heißt es weiter:
“Die Sozialraumkoordinatorin sah von dieser ab, da sie eine Marginalisierung der Tätergruppe befürchtete. Sinngemäß äußerte sie, dass die muslimischen Jungs bereits genug im Visier der Polizei seien und sie einen Generalverdacht verhindern möchte.”

Diese Aussage steht in klarem Widerspruch zu den Behauptungen der zuständigen Jugendstadträtin Sarah Nagel, die erklärt hatte:
“Es gab keinerlei Versuch, die Vorwürfe zu vertuschen. Der Hintergrund der Täter spielte zu keinem Zeitpunkt eine Rolle für den Umgang mit den Vorfällen.”

Das Jugendamt Neukölln ist kein eigenständiges Amt, sondern Teil der Bezirksverwaltung. Die Jugendstadträtin übt über die Mitarbeiter die Dienst- und Fachaufsicht aus. Wie die Vorfälle zeigen, wurde diese Fachaufsicht nicht ordnungsgemäß ausgeübt – zwischen Nagels Kenntnisnahme der Vorfälle und einer ersten Reaktion vergingen drei Wochen.

Mittlerweile wurde eine Mitarbeiterin des Jugendamts versetzt. Dabei dürfte es sich um die genannte Sozialraumkoordinatorin handeln, die selbst beim Jugendzentrum Wutzkyallee angesiedelt ist – eine problematische Konstellation, wenn es um fachliche Aufsicht geht. Hinzu kommt, dass auch das Jugendzentrum nicht von einem freien Träger, sondern direkt von der Bezirksverwaltung Neukölln betrieben wird. Alle Mitarbeiter sind somit städtische Angestellte. Diese enge Verflechtung hat das Problem offenbar verschärft.

Das Jugendzentrum bleibt vorerst geschlossen. Nagel erklärte, dies werde vermutlich bis zu den Sommerferien so bleiben:
“Eine Wiedereröffnung wird nur unter anderen Bedingungen und mit verändertem pädagogischem Konzept möglich sein.”

Noch in der vergangenen Woche hatte Nagel im Neuköllner Jugendausschuss die Probleme heruntergespielt. Zwar räumte sie ein, dass Vorgaben der Berliner Ausführungsvorschriften zum Kinderschutz nicht eingehalten und Vorgänge unvollständig dokumentiert wurden, betonte aber, man könne “multiperspektivisch” auf den Aufklärungsprozess blicken. Geplant seien nun Mitarbeiterschulungen zum Thema Kinderschutz.

Auch wenn inzwischen Disziplinarverfahren laufen und die Staatsanwaltschaft nicht nur zur Vergewaltigung, sondern auch zu den Vorgängen im Jugendamt ermittelt – möglicherweise wegen Strafvereitelung im Amt –, zeigt sich deutlich, dass Nagel selbst nicht angemessen reagiert hat. Als politisch Verantwortliche hätte sie unverzüglich handeln müssen. Stattdessen konnte sie noch Wochen nach der ersten Information nicht benennen, wo genau das Versagen lag. Erst der Druck der Medienöffentlichkeit führte zu Konsequenzen, obwohl sie als Dienstaufsicht sofort hätte aktiv werden müssen.

Das Neuköllner Bezirksparlament behandelt nun einen Abwahlantrag der CDU gegen Nagel. Zur Abstimmung kommt er jedoch erst im April – und nur, wenn SPD und Grüne der CDU zustimmen. Dass Nagel freiwillig zurücktritt, gilt weiterhin als unwahrscheinlich.

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