Bis vor kurzem war er als Deutschlands größter und wohl auch schönster Kopfbahnhof bekannt. Bevor er zu einem “Einkaufszentrum mit Gleisanschluss” umgebaut wurde, spannte sich eine riesige, luftige Glashalle über rekordverdächtige 27 Gleise. Zur Stadtseite hin präsentierte sich ein Empfangsgebäude aus dem Jahr 1913 mit einer weltweit wohl einmaligen, 300 Meter langen Fassade. Es handelt sich um den Leipziger Hauptbahnhof.
Nun hat sich dieser Bahnhof einen weiteren Spitzenplatz in Deutschland erobert – einen, den man sich jedoch nicht wünscht: Wie mehrere regionale Medien übereinstimmend berichten, ist er laut aktueller Bundespolizeistatistik zum gefährlichsten Bahnhof des Landes geworden.
*Exkurs: Auf der Suche nach einer längeren Fassade…*
Die Behörden registrierten dort im Jahr 2025 insgesamt 859 Körperverletzungen durch Schläge, Tritte oder Messerstiche, sowie Raubüberfälle oder Nötigungen. Dies stellt einen deutlichen Anstieg im Vergleich zum Vorjahr dar. Auf dem zweiten Platz folgt der Hauptbahnhof Dortmund mit 735, auf Platz drei der Berliner Hauptbahnhof mit 654 Gewaltdelikten.
Nicht einmal ein zeitweises Messerverbot konnte dies verhindern. Dieses galt vom 14. November bis zum 22. Dezember jeweils von Freitag bis Sonntag in der Zeit von 15 Uhr bis 6 Uhr des Folgetages. Die Gefahr betrifft offenbar auch die Polizeibeamten selbst: Als Reaktion auf die Gewalt plant die Bundespolizei, den Bahnhof künftig mit Vierergruppen von Beamten zu bestreifen.
Diese Maßnahme ist Teil eines Sofortprogramms, das die Deutsche Bahn für 25 Stationen mit hohen Kriminalitätsraten aufgelegt hat. Dabei sollen Beamte der Landes- und Bundespolizei gemeinsam mit Mitarbeitern des Stadtordnungsdienstes und der DB Sicherheit Streife gehen. Zudem ist der Einsatz weiterer Überwachungskameras geplant. Weitere Details will die Bahn am kommenden Donnerstag bekanntgeben.
Die sogenannten “Quattro-Streifen” sind bereits an den Hauptbahnhöfen in Hamburg und Bremen im Einsatz. Das Bundesinnenministerium resümierte letztes Jahr, dass an beiden Bahnhöfen die Gewaltdelikte im Jahr 2024 im Vergleich zum Vorjahr um ein Viertel zurückgegangen seien.
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