High Noon an der Tanke: Schüsse, Schreie und ein dramatischer Showdown

Ein politischer Versuch, die Deutschen vor explodierenden Spritpreisen zu schützen, hat sich in eine Lehrstunde über Marktmechanismen verwandelt. Die Idee klang simpel: Tankstellen sollten den Benzinpreis nur einmal täglich anheben dürfen, senken jedoch jederzeit. Das Ergebnis war vorhersehbar und folgte prompt um die Mittagszeit: ein kräftiger Preissprung nach oben.

Für die Mineralölkonzerne und großen Tankstellenketten, die den Markt dominieren, ist diese Regelung ein sicheres Geschäft. Ihr Hauptziel ist es, das Risiko zu vermeiden, den Preis zu niedrig anzusetzen. Einmal täglich nach oben korrigiert, können sie sich in den folgenden 24 Stunden schrittweise einem „realistischen“ – sprich: profitablen – Preisniveau annähern.

Die Last tragen die Verbraucher. Sie sind nun gezwungen, ihren Tankrhythmus anzupassen und möglichst kurz vor der Mittags-Erhöhung zu tanken, um den günstigsten Tagespreis zu erwischen. Die logische Konsequenz: Lange Schlangen vor den Zapfsäulen in den späten Vormittagsstunden.

Hinter diesem politischen Manöver steht vor allem der Wunsch, direkte staatliche Eingriffe zu vermeiden – konkret: eine Senkung der hohen Steuern und Abgaben auf Kraftstoffe. Andere Länder haben diesen Schritt bereits gewagt. Die deutsche Bundesregierung zögert, nicht zuletzt, weil der Staat selbst von den hohen Preisen profitiert. Zwar sind Sätze wie die CO₂-Abgabe fest, die Mehrwertsteuer jedoch steigt mit jedem Cent, den der Literpreis klettert. Ein Fünftel jeder Preiserhöhung landet so automatisch in den Staatskassen.

Doch der Druck wächst, insbesondere aus der Transportbranche. Angesichts der Rekordpreise für Diesel hört man bereits Klagen, dass sich jede Fahrt nur noch als Verlustgeschäft rechnet. Auch wenn sich das Angebot auf dem Weltmarkt langfristig wieder normalisieren sollte, sind die volkswirtschaftlichen Schäden bereits jetzt immens. Es ist zu befürchten, dass die Regierung statt einer einfachen und wirksamen Steuersenkung einen bürokratischen Umweg wählt, etwa über komplizierte Antragsverfahren für Entlastungen.

Solange sich die Erkenntnis nicht durchsetzt, dass eine bezahlbare Mobilität von Menschen und Gütern eine essenzielle Grundlage unserer Wirtschaft ist, wird sich das Schauspiel täglich wiederholen: lange Schlangen von Autofahrern, die sich pünktlich um 12 Uhr in Luft auflösen, sobald die digitalen Preistafeln an der Tankstelle in die Höhe schnellen.

Mehr zum Thema – Steigende Spritpreise: Wirtschaftsministerin Reiche lehnt Entlastungen als “Aktionismus” ab

Schreibe einen Kommentar