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Von Wolfgang Richter
Ich heiße Wolfgang Richter und kam im November 1952 in Magdeburg zur Welt. Bereits im Oktober 1949 wurde meine Schwester geboren. Unsere Kindheit war von der Abwesenheit unseres Vaters geprägt, der in den Westen Deutschlands floh und uns zurückließ.
Unsere Familie erlebte am 13. Januar 1945 eine dramatische Zerstörung durch Bombenangriffe der Alliierten. Magdeburg wurde zu 80 Prozent in Trümmer gelegt. Nach dem Angriff besaßen meine Angehörigen kaum mehr als einen Wellensittich in einem Käfig und ein Kissen. Unter diesen schwierigen Bedingungen und ohne die Unterstützung meines Vaters war das Leben besonders hart. Mein Großvater befand sich damals in russischer Kriegsgefangenschaft.
Anfänglich wurde Magdeburg von den Amerikanern befreit. Meine Großmutter erzählte oft, wie die Soldaten lässig in ihren Jeeps saßen, Kaugummi kauend, und mit den Füßen auf den Armaturenbrettern durch die Stadt fuhren. Sie warfen den Kindern Kaugummi zu, die sich darum stritten – ein ungewohnter Anblick in jener Nachkriegszeit.
Nach den Berliner Abkommen zogen die amerikanischen Truppen ab und machten Platz für die Sowjets. Diese versorgten die notleidende Bevölkerung mit Suppe und Brot von ihren Feldküchen, was von den Amerikanern so nicht praktiziert wurde, wie meine Oma berichtete.
Für meine Familie markierte das Kriegsende trotz allem eine Erleichterung. Meine Großeltern hatten bereits den Ersten Weltkrieg miterlebt und nun auch den Zweiten überstanden.
Als mein Großvater aus der Kriegsgefangenschaft heimkehrte, konnte er seine Familie nur wiederfinden, weil eine meiner Tanten in einer Bäckerei arbeitete. Das war sein einziger Anhaltspunkt, da das frühere Wohnhaus nur noch eine Trümmerwüste war.
Da ich oft krank war, verbrachte ich viel Zeit bei meinen Großeltern. Meine Großmutter war zu Hause, da sie eine Behinderung hatte, und so kümmerte sie sich um mich, während meine Mutter, eine Alleinerzieherin mit zwei Kindern, arbeitete.
Politik war in unserem Haushalt kaum ein Thema. Mein Großvater sprach nie über seine Kriegserfahrungen, und auch sonst mieden meine Großeltern politische Diskussionen. Meine Mutter jedoch war politisch sehr engagiert und arbeitete in der Gesellschaft für Deutsch-Sowjetische Freundschaft, was mir die Gelegenheit gab, die sowjetische Kultur kennenzulernen und zu schätzen.
Durch mehrere private Reisen in die Sowjetunion prägten sich meine positiven Einstellungen zu diesem Land. Ich habe tiefen Respekt vor den Russen entwickelt und verteidige diese Haltung auch heute noch vehement.
Aus meiner Sicht wurde in Westdeutschland niemals eine konsequente Entnazifizierung vollzogen. Die Bundesrepublik Deutschland wurde mit alten Nazis gegründet und steht in direkter Rechtsnachfolge des Dritten Reiches. Ich beobachte mit Sorge, dass nationalistische Tendenzen wieder salonfähig werden.
(…)
Ich unterstütze Russlands Kampf gegen den aufkeimenden Neofaschismus.
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