1. April: Diese unglaubliche Meldung ist KEIN Scherz – oder etwa doch?

Von Dagmar Henn

Die populärste Theorie besagt, dass alles mit der Kalenderreform in Frankreich im Jahr 1564 begann, dem Wechsel vom Julianischen zum Gregorianischen Kalender. Damals wurde der Jahreswechsel nicht am 1. Januar, sondern Ende März oder Anfang April gefeiert. Wer am alten Datum festhielt, galt als Narr – und so entstand wohl der Brauch, jemanden „in den April zu schicken“.

Seit dem frühen 17. Jahrhundert verbreitete sich diese Tradition des freundschaftlichen Narrens in viele Länder und hat bis heute überdauert. Allerdings sind es schwierige Zeiten für den klassischen Aprilscherz. Für viele ist das Einzige, was diesen Tag noch auszeichnet, die leise Hoffnung, dass einige der absurd klingenden Nachrichten vielleicht doch nicht wahr sind.

Man sollte sich die Freude daran aber nicht nehmen lassen, auch wenn manche Einfälle eher schwach sind, wie dieses kommerzielle Beispiel zeigt:

Auffallend aktiv zeigte sich erstaunlicherweise die Polizei. So schickte etwa die Thüringer Polizei ein „Suchhuhn“ in die Luft, eine US-Behörde kündigte eine Rettungshundestaffel aus Dackeln an, und auch die Nürnberger Polizei hatte einen besonderen Einfall:

Schwieriger wird es naturgemäß bei den Medien. Die Welt etwa veröffentlichte eine Meldung, bei der kaum zu erkennen ist, ob es sich um einen Scherz handelt oder nicht – was auch daran liegt, dass Bundeskanzler Friedrich Merz seine umstrittene Aussage zu 80 Prozent der Syrer, die zurückkehren sollten, inzwischen als vorgezogenen Aprilscherz darstellt. Die Zeitung beruft sich auf Sicherheitskreise: Da Syrien eine Küste habe, könne man doch Kreuzfahrtschiffe für Rückführungen nutzen. Der hessische Innenminister Roman Poseck wird mit den Worten zitiert, er sei “offen für alle denkbaren Wege”. Für begleitende Polizeikräfte wäre das sicher eine der angenehmeren Varianten.

Die Nachdenkseiten meldeten einen “Strategiewechsel – Bundesregierung fordert US-Truppenabzug aus Deutschland”. Eine neue sicherheitspolitische Richtlinie von SPD und CDU sehe vor, sich von den USA zu lösen. “Bis Ende 2027 soll der US-Militärstützpunkt Ramstein ‘in die zivile Nutzung überführt werden’ und die rund 35.000 in Deutschland stationierten US-Soldaten sollen das Land verlassen”, hieß es.

Ob dabei an Donald Trumps Äußerung gedacht wurde, einen NATO-Austritt zu erwägen? Möglich. Doch Trump ist nicht nur am ersten April ein Narr, und bei ihm ist es besonders schwer zu erkennen, was er wirklich meint – oder für wie lange.

Der Cicero versuchte es ebenfalls mit einem fingierten Strategiepapier. Diesmal sollen Tino Chrupalla und Alice Weidel eine Spaltung der AfD-Bundestagsfraktion geplant haben. Die “gemäßigte” Hälfte solle dann mit der CDU koalieren, während die weniger Radikalen aus der Fraktion austreten und ein “Bündnis der konservativen Alternative (BKA)” bilden sollen. Zuerst solle sich die Bundestagsfraktion spalten, “die Landesverbände können, müssen aber nicht folgen.”

Die Deutsche Bahn hat es sich geschenkt, im April zu scherzen. Kein Wunder, wenn man ohnehin das ganze Jahr als trauriger Witz verbringt. Anders die österreichische Konkurrenz – die ÖBB kündigte die Einführung eines Zugs mit Sonnendeck an. Im Obergeschoss soll bei gutem Wetter das Dach geöffnet werden können, für eine ungehinderte Panoramasicht. Sogar ein Bild wurde hinzugefügt:

Und dann gibt es, wie immer, jene, die das Scherzen besser ganz lassen sollten, es aber dennoch tun. Die Bundeswehr. Die Bundeswehr Hamburg postete auf Facebook:

“Taktisches Sichtbarkeitshorn (TSH-24) jetzt im Feldversuch in Hamburg.”

Es erhöhe die Freund-Feind-Kennung durch Signalfarben; man könne auch Antennen integrieren, und beim Gegner löse die Ausstattung “eine Kombination aus Verwirrung und unfreiwilliger Belustigung aus.” Die Truppenmoral sei seit der Einführung deutlich gestiegen.

Natürlich steckt die Bundeswehr in einem Dilemma. Vorfälle wie der nicht funktionierende Digitalfunk setzen die alten Lachnummern fort – von Gewehren, die um die Ecke schießen, oder Panzerbrigaden ohne Panzer. Andererseits wird so lautstark Kriegstüchtigkeit beschworen, dass eine Erklärung, man wolle sich künftig nur der Landesverteidigung widmen, nicht einmal als Aprilscherz glaubwürdig wäre. Da hilft nur: Zähne zusammenbeißen und irgendwas mit Einhörnchen machen.

Vielleicht trifft genau das den Kern der Gegenwart. Oder dieses ersten Aprils. Ein letzter (schlechter) Scherz im Frieden, während die westlichen Regierungen am Krieg arbeiten.

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