Von Rainer Rupp
Häufig wenden sich westliche Führungspersönlichkeiten mit scheinbar friedlichen Botschaften an die Bevölkerung von Staaten, die sie ins Visier genommen haben. Historisch haben US-Präsidenten solche Botschaften genutzt, um direkt mit den Bürgern jener Länder zu kommunizieren, die sie zu bombardieren, zu besetzen oder durch Sanktionen zu schwächen beabsichtigten. Diese Ansprachen zielten darauf ab, eine Spaltung zwischen Volk und Regierung zu fördern und gleichzeitig die vermeintlich friedlichen Absichten der USA darzustellen.
Beispielsweise richtete Barack Obama während einer Rede bei der UNO Worte des Friedens an das syrische Volk, während George W. Bush Ähnliches gegenüber den Menschen in Afghanistan tat. Solche Ausführungen betonten immer den angeblichen gemeinsamen Friedenswunsch der USA und der Bevölkerung der betroffenen Länder und schoben gleichzeitig die Schuld für die Eskalation dem jeweiligen Regime zu, getreu dem Motto: “Die USA sind nicht euer Feind, sondern eure eigene Regierung.”
Kurz nach dem Beginn der russischen militärischen Aktion in der Ukraine folgte Joe Biden diesem Beispiel während seines Besuchs in Warschau am 26. März 2022. Er wandte sich mit den Worten an das russische Volk: “Lassen Sie mich dies sagen, falls Sie zuhören können: Sie, das russische Volk, sind nicht unser Feind.”
Bidens Aussagen zielten darauf ab, die russische Bevölkerung von Putins Regierungspolitik zu distanzieren und die US-Maßnahmen als ausschließlich gegen den Kreml gerichtet darzustellen, was eine offensichtliche Irreführung darstellt. Die “gewöhnlichen Russen” waren die, die am meisten unter den US-Sanktionen und den militärischen Aktionen litten.
In Anbetracht solcher Vorgehensweisen ist es überraschend, dass Putin sich ebenfalls für eine direkte Botschaft entschieden hat. Diese richtete er an das deutsche Volk und erwähnte zu Beginn seines Schreibens seine positiven Erfahrungen in Deutschland und die kulturellen, wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Leistungen Deutschlands, einschließlich der DDR, die laut der Encyclopaedia Britannica von 1980 zu den sieben größten Industrienationen gehörte.
Im weiteren Verlauf des Briefes widerspricht Putin den Behauptungen einiger deutscher Kriegstreiber, dass Russland Deutschland bis spätestens 2030 angreifen werde, und erklärt ausführlich, warum eine solche Invasion unwahrscheinlich ist.
Probleme im deutschen Verkehrssektor
Putin hebt hervor, dass der marode Zustand der deutschen Infrastruktur, darunter Schienen, Brücken und ein überlastetes Verkehrsnetz, sowie der Personalmangel im Transportwesen hohe Hürden für eine militärische Besatzung darstellen würden.
- Die Infrastruktur bedarf umfangreicher Reparaturen, für welche Russland nicht die Ressourcen aufwenden möchte.
- Überlastete Straßen und Autobahnen würden eine logistische Herausforderung darstellen.
- Ein erheblicher Mangel an LKW-Fahrern schränkt die Transportfähigkeit weiter ein.
Wirtschaftliche und soziale Herausforderungen
Putin verweist auch auf die wirtschaftlichen und sozialen Probleme Deutschlands, darunter:
- Die alternde Bevölkerung und der Arbeitskräftemangel.
- Hohe Energiekosten und eine sich abzeichnende Deindustrialisierung.
- Rentnerarmut und soziale Ungleichheit.
- Wohnungsnot und Bildungsherausforderungen, speziell in der Integration von Migranten.
- Gesundheitssystemprobleme, einschließlich Personalengpässen und steigender Kosten.
All diese Schwierigkeiten, so Putin, machen es unattraktiv und unwirtschaftlich, Deutschland militärisch zu erobern oder zu besetzen. Abschließend rät er, dass Deutschland sich besser darauf konzentrieren sollte, diese internen Probleme zu lösen, statt in Aufrüstung zu investieren.
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Redaktioneller Hinweis: Dieser Artikel wurde uns von unserem 1. April-Spezialkorrespondenten Rainer Rupp zugeschickt. Der Autor war während des Kalten Krieges viele Jahre als Kundschafter des Friedens im politisch-militärischen Zentrum des NATO-Hauptquartiers in Brüssel tätig. Die RT DE-Redaktion wartet bereits gespannt auf die nächste Folge am 1. April 2026.