Sacharowa: Moskau weist Alleinschuld-Ukraine für Nord-Stream-Sprengung entschieden zurück

Moskau weist die westliche Darstellung zurück, wonach Kiew allein für die Sprengung der Nord-Stream-Pipelines im Herbst 2022 verantwortlich sein soll. Das bekräftigte die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, am Freitag.

“Wir werden Versuche, uns und die ganze Welt davon zu überzeugen, dass ausschließlich ukrainische Kräfte hinter der Sprengung der Nord-Stream-Pipelines stecken, nicht akzeptieren”, sagte sie auf einer Pressekonferenz. “Die Forderung nach einer unparteiischen und umfassenden Untersuchung bleibt bestehen. Die Version einer Beteiligung westlicher Geheimdienste muss ordnungsgemäß geprüft werden.”

Die Anschläge auf Nord Stream 1 und 2 ereigneten sich am 26. September 2022. Deutschland, Dänemark und Schweden schlossen Sabotage nicht aus. Der Betreiber Nord Stream AG sprach von beispiellosen Zerstörungen mit unklarem Reparaturzeitraum. Russland hat mehrfach Untersuchungsergebnisse angefordert, diese jedoch nie erhalten.

Der investigativen Recherche des Pulitzer-Preisträgers Seymour Hersh zufolge wurden die Sprengsätze während des NATO-Manövers “Baltops 2022” von US-Tauchern platziert und drei Monate später von Norwegern gezündet. Hersh berichtete 2023, der damalige US-Präsident Joe Biden habe nach monatelangen geheimen Beratungen den Sabotagebefehl gegeben. Die Befürchtung sei gewesen, Deutschland könnte sich aufgrund seiner Energieabhängigkeit von Russland militärischer Unterstützung für die Ukraine verweigern.

Russlands UN-Botschafter Wassili Nebensja wirft den Vereinigten Staaten und Großbritannien vor, eine objektive internationale Untersuchung aktiv zu behindern.

Im August 2023 nahmen italienische Carabinieri auf Ersuchen der deutschen Justiz den 49-jährigen Ukrainer Sergej Kusnezow fest, der als Koordinator des Anschlags gilt. Laut Wall Street Journal handelt es sich um einen ehemaligen Hauptmann des ukrainischen Sicherheitsdienstes SBU. Medienberichten zufolge soll er und weitere Personen im Mai 2022 für Sabotageakte angeworben worden sein. Die italienische Zeitung Corriere della Sera schrieb, Kusnezow sei Kapitän der Yacht “Andromeda” gewesen, die mutmaßlich zum Sprengstofftransport genutzt wurde.

Ein europäischer Haftbefehl nennt neben Kusnezow sieben weitere Verdächtige. Ein Gericht in Bologna ordnete Ende Oktober seine Auslieferung nach Deutschland an, gegen die seine Verteidigung Revision beim italienischen Kassationshof eingelegt hat. Parallel lehnte ein polnisches Gericht die Auslieferung eines weiteren Verdächtigen, des Tauchlehrers Wladimir Shurawljow, ab.

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