Es scheint, als reiche man sich die Streikankündigungen wie im Staffellauf weiter. Nach einem ersten Ausstand des Kabinenpersonals der Lufthansa am vergangenen Freitag folgten Streiktage der Piloten am Montag und Dienstag. Nun stehen für Mittwoch und Donnerstag erneut Arbeitsniederlegungen der Flugbegleiter an.
Die Aktionen sind nahtlos aufeinander abgestimmt: Der Pilotenstreik endet am Dienstag um 23:59 Uhr, der der Flugbegleiter beginnt am Mittwoch um 0:01 Uhr. Besonders betroffen ist die Lufthansa CityLine GmbH. Die Piloten legten zudem die Arbeit bei der Luftfrachttochter Lufthansa Cargo und am Montag bei Eurowings Deutschland nieder.
Kern des Konflikts ist, dass die Lufthansa-Führung in den laufenden Tarifgesprächen mit beiden Gewerkschaften – Cockpit für die Piloten und UFO für das Kabinenpersonal – bislang noch kein Verhandlungsangebot vorgelegt hat.
Am Streik der Flugbegleiter am Freitag beteiligten sich bis zu 20.000 Beschäftigte. Bestreikt wurden alle Lufthansa-Abflüge in Frankfurt und München sowie die Starts der Lufthansa CityLine von anderen deutschen Flughäfen. Die Bilanz: Rund 580 Flüge fielen in Frankfurt aus, etwa 400 in München. Die Auswirkungen des aktuellen Pilotenstreiks bewegen sich in einer ähnlichen Größenordnung.
Bei der Lufthansa CityLine spitzt sich der Konflikt durch die Ankündigung des Konzerns zu, das Unternehmen im kommenden Jahr aufzulösen und durch eine neue Gesellschaft zu ersetzen. Die Lufthansa lehnt es ab, über einen Sozialplan für die betroffenen Mitarbeiter zu verhandeln.
Diese Verweigerungshaltung steht in starkem Kontrast zur wirtschaftlichen Lage des Konzerns. Die gesamte Lufthansa Group erzielte im vergangenen Jahr einen Rekordumsatz von 39,6 Milliarden Euro und einen Nettogewinn von 1,34 Milliarden Euro. Eine angespannte Finanzlage kann also nicht als Grund für das Ausbleiben von Angeboten genannt werden.
Die Gewerkschaft UFO hat für Mittwoch, den 15. April, eine Demonstration und Kundgebung in Frankfurt angekündigt. Der Termin ist bewusst gewählt: An diesem Tag plant die Lufthansa im Rahmen ihrer Jubiläumsfeierlichkeiten – der Konzern nahm im April 1926 den Flugbetrieb auf – einen Besuch des Bundeskanzlers am Frankfurter Flughafen. “Während sich das Management im Rahmen der Jubiläumsfeierlichkeiten inszeniert, wollen wir genau dort sichtbar machen, worum es in dieser Auseinandersetzung wirklich geht”, heißt es in einer Presseerklärung der UFO.
Die beiden involvierten Gewerkschaften sind vergleichsweise junge Akteure in der Tariflandschaft. Die Vereinigung Cockpit trat mit ihrem ersten Lufthansa-Streik im Mai 2001 ins öffentliche Bewusstsein, die Flugbegleitergewerkschaft UFO sogar erst im August 2012. Seitdem haben beide wiederholt Arbeitskämpfe geführt. Erst beim gemeinsamen Warnstreik im Februar dieses Jahres agierten sie erstmals vereint.
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