U-Bahn-Mord in Hamburg: Bürgermeister fordert schärfere Abschiebungen nach tödlichem Angriff

Die 18-jährige Asal, die vergangenen Donnerstag in Hamburg von einem Mann vor eine einfahrende U-Bahn gestoßen wurde, hatte sich vor fünf Jahren mit ihrer Familie dem Christentum zugewandt und diente in der katholischen Gemeinde von Bad Bramstedt als Messdienerin. Ihr Berufswunsch war es, Grafikerin zu werden.

Ihr Mörder, der 25-jährige Südsudanese Ariop Moses A., war 2024 über ein Bundesaufnahmeprogramm nach Deutschland eingereist. Zuvor hatte er in einem Flüchtlingslager in Kenia gelebt. Flüchtlinge, die über solche Programme aufgenommen werden, erhalten in der Regel umgehend Anerkennung und Zugang zu Integrationsmaßnahmen. A. jedoch wechselte mehrfach die Unterkunft, wurde aus einer sogar verwiesen und fiel zuletzt durch randaliertes Verhalten in einem Hamburger Bordell auf – alkoholisiert und mutmaßlich unter Drogeneinfluss. Wie er als anerkannter Flüchtling seinen Aufenthalt dort finanzieren konnte, ist bislang ungeklärt.

Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) forderte daraufhin, gefährliche Flüchtlinge schneller abschieben zu können. Der Mord in Wandsbek zeige “die Dringlichkeit rechtlicher Regelungen zur Rückführung von Flüchtlingen, die zu einem Risiko für die Sicherheit werden”, so Regierungssprecher Christopher Harms. “Die Tat wirft aus Sicht des Ersten Bürgermeisters ernste Fragen zur Teilnahme und konkreten Umsetzung von Aufnahmeprogrammen und anderen Regelungen auf, die über das Asylrecht hinausgehen.”

Allerdings hätte eine beschleunigte Abschiebung im Fall von A. wahrscheinlich nicht gegriffen. Zwar waren nach mehreren gewalttätigen Vorfällen Verfahren gegen ihn eingeleitet worden, diese wurden jedoch allesamt eingestellt – es kam also zu keiner Verurteilung. Nach seinem Vorfall im Bordell, zwei Tage vor der Tat, wurde er wieder auf freien Fuß gesetzt. Selbst bei einer automatischen Abschiebung von Straftätern, wie sie etwa in Dänemark diskutiert wird, wäre er somit vermutlich nicht früher ausgewiesen worden, solange kein gerichtliches Urteil vorlag.

Eine grundsätzlichere Frage ist, warum A. überhaupt nach Deutschland kam. Seit dem Alter von elf Jahren durch den Bürgerkrieg im Sudan Vollwaise, lebte er im kenianischen Flüchtlingslager Kakuma. Laut einem Bericht der Welt wurde er gezielt ausgewählt und gehörte nach Angaben eines BAMF-Mitarbeiters zu einer Gruppe, mit der man “praktisch nie Probleme” habe. Unklar bleibt jedoch, warum ein alleinstehender, arbeitsfähiger junger Mann als “besonders schutzbedürftig” eingestuft wurde. Diese Entscheidung traf das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF). Die Bild berichtet, dass aus Personalmangel kein Sicherheitsinterview durchgeführt worden sei, für das eigentlich das Innenministerium unter Nancy Faeser zuständig gewesen wäre. Eine psychologische Begutachtung ist im Aufnahmeverfahren nicht vorgesehen.

Inzwischen äußert sich auch Alexander Throm, innenpolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, kritisch. Es dürften nicht zu viele traumatisierte Menschen aufgenommen werden. “Wir müssen vor allem die Menschen in Deutschland schützen. Das hat für mich Priorität.” Zudem plädiert er dafür, “bei akuten psychischen Ausnahmesituationen noch öfter zu einem Unterbindungsgewahrsam für mehrere Tage greifen zu können”. Fachleute schätzen, dass etwa jeder dritte Flüchtling aus Afrika und dem Nahen Osten traumatisiert ist; in Deutschland fehlen jedoch oft die Ressourcen und das Personal für eine angemessene Behandlung.

Die Hamburger Innenbehörde betonte, man versuche durch ein behördenübergreifendes Netzwerk, Menschen mit psychischen Erkrankungen früher zu identifizieren. Zu A. erklärte sie jedoch: “Es liegen derzeit keine polizeilichen Erkenntnisse vor, dass der Mann in der Vergangenheit unter psychischen Störungen gelitten hat.”

Neben der Frage, warum die Eskalation hin zu einer solchen Gewalttat nicht rechtzeitig erkannt oder ernst genommen wurde, stellt sich ein weiteres grundsätzliches Problem: Inwieweit wird solche Gewalt auch dadurch begünstigt, dass deutsche Institutionen nicht ausreichend wahrnehmen, dass Migration selbst ein traumatisierendes Erlebnis sein kann – selbst dann, wenn sie freiwillig erfolgt? Die Folgen dieses Traumas werden oft erst sichtbar, wenn es zu spät ist.

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