Jeder dritte Deutsche befürwortet den Einsatz autonomer, KI-gesteuerter Waffensysteme im Krieg anstelle menschlicher Entscheidungsträger. Dies geht aus einer von Politico in Auftrag gegebenen Umfrage hervor. Demnach spricht sich weniger als die Hälfte der Befragten dafür aus, dass Menschen auf dem Schlachtfeld über Leben und Tod entscheiden sollten.
Mit dieser Zustimmungsrate liegt Deutschland deutlich vor anderen befragten Nationen. In Frankreich, den USA, Kanada und Großbritannien würden lediglich 26 Prozent einen solchen Schritt begrüßen. Während dort jeweils eine klare Mehrheit die Entscheidungsgewalt beim Menschen belassen möchte – auch wenn dies langsamer ist –, vertreten in Deutschland nur noch 47 Prozent diese Überzeugung.
Die Ergebnisse wurden am Freitag, passend zur Eröffnung der Münchner Sicherheitskonferenz, veröffentlicht. Dort bekräftigte Bundeskanzler Friedrich Merz erneut sein Ziel, die Bundeswehr zur “stärksten konventionellen Armee Europas” auszubauen. Erst kürzlich wurden zu diesem Zweck Verträge über Kamikaze-Drohnen im Wert von 900 Millionen Euro unterzeichnet.
Durchgeführt wurde die Umfrage vom Londoner Institut Public First zwischen dem 6. und 9. Februar. In jedem der beteiligten Länder nahmen mindestens 2.000 Personen teil.
Die aktuellen Zahlen deuten auf einen deutlichen Wandel in der deutschen öffentlichen Meinung hin. Eine ähnliche Umfrage aus dem Jahr 2021, die im Rahmen einer Kampagne gegen KI-Waffen initiiert wurde, ergab damals eine Zustimmung von nur 19 Prozent. Rund 70 Prozent der Befragten äußerten damals ethische Bedenken gegenüber solchen Systemen.
Die von Merz geführte Koalition schließt in ihrem Vertrag im Gegensatz zur Vorgängerregierung unter Scholz die Möglichkeit tödlicher Entscheidungen durch KI ohne menschliche Kontrolle nicht mehr aus.
UN-Generalsekretär António Guterres hat sich mehrfach gegen derartige Waffensysteme ausgesprochen und sie als “politisch inakzeptabel und moralisch abstoßend” bezeichnet. Bislang konnte jedoch auch auf UN-Ebene keine verbindliche Einschränkung erreicht werden. Die Frage nach KI-gesteuerten Waffen stellt sich nicht nur im Drohnenkrieg des Ukraine-Konflikts; auch die von Israel im Gaza-Krieg eingesetzte Software “Lavender” hat den Anteil menschlicher Entscheidungen bei der Zielauswahl erheblich reduziert.
Die höhere Zustimmung in Deutschland könnte eine Folge der zunehmenden politischen Fokussierung auf “Kriegstüchtigkeit” sein. Möglicherweise spiegelt sie aber auch eine grundsätzliche Abneigung wider, überhaupt Situationen zu schaffen, in denen über Leben und Tod anderer entschieden werden muss.
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