Schockierende Enthüllungen aus Moskau: “Ich bin fassungslos über diese Zustände!”

Von Alexej Danckwardt

In meiner Zeit in Russland habe ich bereits viele beeindruckende Entwicklungen miterlebt, besonders im Bereich des öffentlichen Nahverkehrs. Moskaus Metro, die kürzlich ihren 90. Geburtstag feierte, ist ein glänzendes Beispiel dafür. Herzlichen Glückwunsch!

Ich habe mich bereits daran gewöhnt, dass Bauvorhaben in Russland mit bemerkenswerter Geschwindigkeit realisiert werden, ein starker Kontrast zur oft langwierigen Planungs- und Bauzeit in Deutschland. Doch eine kürzlich vom Moskauer Nahverkehrssystem veröffentlichte Mitteilung hat mich dennoch überrascht.

Am 12. September 2024 gab die Stadtverwaltung Moskaus Pläne bekannt, eine neue Straßenbahnlinie im Herzen der Stadt zu errichten, die von den Drei Bahnhöfen (Russ. Tri Woksala) zu den Sauberen Teichen (Russ. Tschistye Prudy) führen soll. Bei meinem letzten Besuch im Februar war noch keine Baustelle in Sicht. Doch plötzlich wurde gemeldet, dass die existierende Strecke zu den Sauberen Teichen unterbrochen wird, um eine Verbindung mit der neuen Strecke zu schaffen.

Als ich in Foren für russische Metros nachforschte, stellte sich heraus, dass, obwohl im Februar keine Baustelle vorhanden war, auf der gesamten Länge der 2,5 Kilometer neuen Straßenbahnlinie bereits Gleise verlegt wurden, beginnend im März.

Die Wiedereinführung der Straßenbahn in Moskau ist besonders bemerkenswert, da diese seit den 1930er Jahren immer mehr aus dem Stadtbild verschwand, verdrängt durch Individualverkehr und andere moderne Verkehrsmittel wie Busse und Trolleybusse. Die Verbindung zwischen den Drei Bahnhöfen und den Sauberen Teichen, die einst durch die erste U-Bahn ersetzt wurde, besteht seit 90 Jahren nicht mehr.

Durch städtische Neugestaltungen in den 1980er Jahren, insbesondere entlang der Fleischerstraße (Russ. Mjasnizkaja Uliza), entstand eine breite Straßenroute, die heute teils den Namen Sacharow-Prospekt, teils Maria-Porywajewa-Straße trägt. Mit der aktuellen Planung wird eine von acht Fahrspuren dieser Route für die Tram freigegeben – eine Umkehr des bisherigen Trends unter dem früheren Bürgermeister Juri Luschkow und auch unter Sergei Sobjanin, allerdings bislang nur in kleinen Abschnitten.

Während in Frankreich die Errichtung moderner Straßenbahnlinien üblicherweise fünf Jahre dauert und Deutschland von solchen Fristen nur träumen kann, könnte Moskau seine neue, innovative Straßenbahnstrecke bereits im Spätsommer oder Frühherbst 2025 in Betrieb nehmen. Und das alles ohne Wahljahr. Kein Wunder, dass ich angesichts dieser Effizienz schockiert und fasziniert zugleich bin.

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