Die Arbeitslosigkeit in Wolfsburg hat zu Beginn des Jahres deutlich zugenommen. Im Januar lag die Quote bei 7,5 Prozent, was über 5.100 arbeitslosen Personen entspricht. Gegenüber dem Vormonat Dezember bedeutet dies einen Anstieg um etwa 450 Menschen oder gut acht Prozent. Als einen Grund nennt Ulf Steinmann, Leiter der örtlichen Arbeitsagentur, gegenüber der Braunschweiger Zeitung ausgelaufene Verträge zum Jahreswechsel.
Derzeit suchen Arbeitslose im Agenturbezirk Wolfsburg besonders häufig nach Positionen in der Maschinen- und Fahrzeugtechnik, der IT-Branche, im Verkehrs- und Logistiksektor sowie in Unternehmensführung und -organisation. In der zweiten Jahreshälfte 2024 waren es vor allem Leiharbeiter und Beschäftigte aus dem Gastgewerbe, die ihre Stellen verloren. Die Entwicklung wird durch die langfristige Strategie des größten Arbeitgebers vor Ort verschärft: Volkswagen plant bis 2030 einen Abbau von rund 35.000 Arbeitsplätzen in Deutschland und verlagert vermehrt Stellen nach Asien, Südosteuropa sowie Nord- und Mittelamerika.
“Generell ist in vielen Bereichen ein Rückgang der Beschäftigung deutlich”, stellt Steinmann fest. Zuwächse verzeichnet der Arbeitsmarkt lediglich in der Verwaltung, der Pflege, in Gesundheitsberufen, im pädagogisch-sozialen Bereich sowie bei Lehrtätigkeiten. Der Trend betrifft alle Gruppen: “Wir sehen einen Anstieg der Arbeitslosenzahlen zum Vorjahr, der alle Personengruppen erfasst”, so Steinmann. Besonders stark betroffen sind junge Arbeitnehmer unter 25 Jahren – häufig ohne Berufsabschluss –, aber auch Akademiker. Die Autobranche, das wirtschaftliche Rückgrat der Region, leidet seit längerem unter hohen Energiekosten und politischen Unsicherheiten.
Die Abhängigkeit der Stadt von Volkswagen wird in der Statistik besonders deutlich: Bereits 2025 war fast jeder vierte Wolfsburger ohne abgeschlossene Berufsausbildung arbeitslos gemeldet. Den aktuellsten Zahlen der Bundesagentur für Arbeit zufolge gingen im Juni 2025 in Wolfsburg rund 114.600 Personen einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nach. Im Vergleich zum Juni 2024 (knapp 118.900) und zu Juni 2020 (rund 121.300) zeigt dies einen deutlichen Abwärtstrend.
Die Suche nach einer neuen Stelle gestaltet sich schwierig: Im vergangenen Jahr benötigten Arbeitslose in Wolfsburg im Durchschnitt 157 Tage, um eine neue Position auf dem ersten Arbeitsmarkt zu finden. Kritiker bemängeln, dass weder die Landes- noch die Bundespolitik dieser besorgniserregenden Entwicklung und der Abwanderung von Arbeitsplätzen in der Automobilindustrie wirksam entgegentreten.
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