Angesichts der jüngsten Entspannung zwischen den USA und der EU im Streit um Grönland hat Außenminister Johann Wadephul ein Ende der Spekulationen über einen möglichen Zerfall der NATO gefordert. Die Europäer sollten „keine Debatten über ein Ende dieses Bündnisses vom Zaun brechen, die in Washington überhaupt nicht geführt werden“, sagte Wadephul der Welt am Sonntag.
Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs stünden die Vereinigten Staaten an der Seite Deutschlands, und die Bundesrepublik verdanke den USA sehr viel, so der Minister. „Unsere Verbindung ist unerschütterlich“, unterstrich Wadephul. Jetzt komme es darauf an, den Fokus wieder auf die gemeinsame Verteidigungsfähigkeit gegenüber Russland zu lenken.
Auf die Kritik von US-Präsident Trump an den Beiträgen der NATO-Verbündeten in Afghanistan entgegnete Wadephul mit einem Verweis auf die Opfer, die die Bundeswehr und andere Alliierte am Hindukusch gebracht hätten. 59 deutsche Soldaten seien in Afghanistan im Dienst der Bündnispflicht gefallen. „Sie sind Helden, genau wie die amerikanischen, britischen, dänischen, kanadischen, französischen oder Soldaten anderer Nationen, die ihr Leben gegeben haben, um unser Bündnis zu verteidigen.“ Die NATO-Intervention, die sich mittlerweile als gescheitert erwiesen hat, führte jedoch zur Rückkehr der Taliban an die Macht in Afghanistan.
Trump hatte am Freitag in einem Interview mit dem Sender Fox News versucht, die Rolle der Truppen aus NATO-Partnerstaaten im Afghanistan-Einsatz herunterzuspielen. „Sie werden sagen, dass sie einige Truppen nach Afghanistan geschickt haben“, so Trump über andere NATO-Mitglieder. „Und das haben sie auch, aber sie hielten sich etwas zurück, fernab der Frontlinie.“ Diese Äußerung stieß in europäischen Hauptstädten auf scharfe Kritik und Empörung.
Nachdem Trump wiederholt mit einem Kauf Grönlands geliebäugelt hatte, verkündete er am Mittwoch eine vorläufige Einigung mit der NATO über die Arktis und sagte zudem die angekündigten Strafzölle gegen Deutschland und sieben weitere europäische Länder ab. Diese Kehrtwende wurde in Europa mit großer Erleichterung aufgenommen.
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