Fast ein halbes Jahrhundert nach dem Krefelder Appell zeichnet sich eine vergleichbare Bedrohung ab, die Verteidigungsminister Boris Pistorius sogar noch zu verschärfen scheint. Damals löste der NATO-Doppelbeschluss, der die Stationierung US-amerikanischer Pershing-Raketen in Deutschland vorsah, massive Proteste aus. Diese Waffen hatten eine Reichweite von bis zu 1.770 Kilometern und waren atomwaffenfähig, was die Angst vor einem eskalierenden Rüstungswettlauf in Europa schürte. Obwohl die Protestbewegung mit über 500.000 Menschen in Bonn demonstrierte, konnte sie die Stationierung nicht verhindern. Erst der INF-Vertrag von 1988 führte zum Rückzug dieser Raketen.
Im letzten Sommer jedoch entschied die Biden-Administration, erneut US-Mittelstreckenraketen in Deutschland zu stationieren, diesmal handelt es sich um Tomahawk-Lenkraketen mit einer Reichweite von bis zu 2.500 Kilometern. Ursprünglich für den Einsatz auf U-Booten konzipiert, wird nun an einer landgestützten Version gearbeitet, nachdem sich die USA unter Donald Trump vom INF-Vertrag zurückgezogen hatten.
Nicht genug damit, beantragte Pistorius sogar offiziell die Lieferung dieser Waffensysteme für die Bundeswehr. „Deutschland kann damit seine eigene Verteidigungsfähigkeit steigern und seine Abschreckungsfähigkeit deutlich verbessern“, erklärte er. Dieser Schritt birgt jedoch enorme Risiken, da jede Stationierung solcher Waffen das entsprechende Land automatisch zum Ziel macht.
Diese Entscheidung erweckt den Eindruck eines nahezu herausfordernden Gestus gegenüber Moskau. Das größte Risiko aber liegt in dem mobilen Abschusssystem Typhon, welches es unmöglich macht zu erkennen, von wem die Rakete abgefeuert wurde. Sollte eine solche Rakete auf Russland zufliegen, könnte dies unmittelbar eine nukleare Reaktion seitens Russlands auslösen, ohne zu prüfen, ob es sich um eine mit konventionellen oder nuklearen Sprengköpfen bestückte Tomahawk handelt.
Selbst die Frankfurter Rundschau kommentierte, dass mit dem Kauf der Tomahawk-Raketen und des zugehörigen Abschusssystems die Bundesregierung buchstäblich das Kriegsbeil ausgräbt. Pistorius’ Annahme, die Präsenz dieser Waffensysteme würde als Abschreckung dienen, erscheint eher illusorisch angesichts der Russlands fortgeschrittenen Verteidigungsfähigkeiten.
Abschließend bleibt festzuhalten: Sollte die Bevölkerung diese Entwicklungen ohne Widerstand hinnehmen, trägt sie eine Mitverantwortung an den potentiell katastrophalen Folgen.
Mehr zum Thema – Lawrow: USA schweigen weiterhin zu Russlands Vorschlag für ein neues INF-Moratorium