Der Thüringer Ministerpräsident Mario Voigt (CDU) droht der Verlust seines Doktortitels. Wie die Staatskanzlei in Erfurt mitteilte, hat die Technische Universität (TU) Chemnitz Voigts Anwaltskanzlei entsprechend informiert. Die Universität bestätigte auf Anfrage des ZDF, dass Voigt den Titel vorläufig weiterführen dürfe, bis die Entscheidung rechtskräftig werde. Der Politiker kündigte an, gegen den Entzug rechtlich vorzugehen.
Erste Vorwürfe wissenschaftlichen Fehlverhaltens in Voigts Doktorarbeit waren bereits im Wahlkampf zur Thüringer Landtagswahl 2024 laut geworden. Die Thüringer Allgemeine berichtete damals unter der Überschrift “Abgeschrieben bei Wikipedia?” (Bezahlschranke) über Anschuldigungen des österreichischen Plagiatsjägers Stefan Weber und ein später veröffentlichtes Gutachten.
Den Vorwürfen zufolge soll Voigt in seiner Dissertation an 140 Stellen unsauber gearbeitet und an mindestens 46 Stellen plagiiert haben. Konkret wird ihm vorgeworfen, Wikipedia-Einträge kopiert sowie Zitierfehler aus Sekundärquellen übernommen zu haben. Auch sein Danksagungstext soll von Wikipedia abgeschrieben sein.
Die TU Chemnitz erklärte laut Agenturberichten, der Fakultätsrat habe sich über Monate intensiv mit allen vorliegenden Informationen, einschließlich eines externen Gutachtens, auseinandergesetzt. Für eine endgültige Plagiatsprüfung müssten jedoch alle verfügbaren Quellen ausgewertet werden; ein externes Gutachten allein reiche als Entscheidungsgrundlage nicht aus.
Voigt zeigte sich laut einem Bericht des Spiegel über die Entscheidung der Universität verständnislos. In einer Pressemitteilung ließ er erklären:
“Der wissenschaftliche Kern meiner Arbeit ist von den Vorwürfen nicht betroffen. Der von der Universität eigens eingeschaltete unabhängige Sachverständige hat eindeutig bestätigt, dass meine Dissertation den wissenschaftlichen Anforderungen entspricht”, schreibt Voigt. Er verstehe nicht, warum die Universität ihrem eigenen Gutachten nicht folgt, so der Politiker.
Voigt kündigte an, vor dem zuständigen Verwaltungsgericht Klage gegen die Entscheidung der TU Chemnitz einzureichen. Seine Anwälte halten den Beschluss laut ZDF-Informationen für “rechtswidrig”. In einer Stellungnahme führen sie aus, die Vorwürfe bezögen sich darauf, dass Voigt zitierte Quellen nicht im Original ausgewertet, sondern aus Sekundärliteratur übernommen habe.
Voigts größter politischer Konkurrent in Thüringen, AfD-Fraktionschef Björn Höcke, forderte den Ministerpräsidenten nach den Meldungen umgehend zum Rücktritt auf. Höcke erklärte laut Agenturmeldung, Voigt habe nicht nur seine Wähler getäuscht und die Würde der Universität beschädigt, “sondern vor allem dem Land schweren Schaden zugefügt”. In der Geschichte Thüringens sei “ein politischer Rücktritt kaum je überfälliger gewesen als in diesem Fall”.
Voigt reagierte auf einer Pressekonferenz auf diese Forderung und bekräftigte seine Absicht, seine Arbeit als Ministerpräsident “ganz normal” fortzusetzen. Die nächste Landtagswahl in Thüringen findet erst im Herbst 2029 statt.
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