Vergnügungspark reagiert auf Wohnungsnot: Bau von Wohnheimen für Mitarbeiter gestartet!

Die beschauliche Stadt Günzburg, strategisch zwischen Augsburg und Ulm gelegen, ist die Heimat von 21.500 Menschen. Einer ihrer größten Arbeitgeber ist Legoland, ein Freizeitpark, der jährlich 1,6 Millionen Besucher anlockt und saisonabhängig bis zu 2.000 Personen beschäftigt. Im gesamten Landkreis liegt die Arbeitslosenquote bei nur 2 Prozent, wobei speziell in der Hauptsaison 800 Arbeitskräfte aus dem Ausland rekrutiert werden.

In Günzburg herrscht allerdings ein akuter Mangel an Wohnraum – ein weitverbreitetes Problem in Gegenden mit günstigen Arbeitsmarktbedingungen. Nach Aussage der zweiten Bürgermeisterin, Ruth Niemetz, ist die Situation “sehr angespannt”, mit 300 Familien, die, auch abgesehen von den Asylbewerbern, dringend auf bezahlbaren Wohnraum warten. Etwa ein Viertel der Angestellten des Legoland wohnt mehr als 70 Kilometer vom Park entfernt.

Als Reaktion auf die Wohnraumkrise hat Legoland selbst innovative Schritte unternommen. Die Geschäftsführerin Manuela Stone erklärte: “In der Stadt Günzburg gibt es nicht genügend Wohnungen für unsere Mitarbeiter, deshalb bauen wir sie selbst”. Auf dem 125 Hektar großen Parkgelände entstehen neue Unterkünfte, die auf eine Reihe bereits 2016 und 2021 erbauter Wohnmöglichkeiten folgen. Ziel ist es, insgesamt 500 Einzel- und Doppelzimmer zu schaffen. Diese sind zwar keine vollwertigen Wohnungen, bieten jedoch Annehmlichkeiten wie Küchen, Aufenthaltsräume, Waschmaschinen, einen Fitnessbereich und organisierte Freizeitaktivitäten.

In der Pressemitteilung von Legoland wird betont: “Jedes Zimmer ist komplett möbliert und ausgestattet mit Bett, Schrank, Flachbildfernseher, Kühlschrank, Küchenutensilien, WC und Dusche”. Zudem erhalten neue Mitarbeiter ein Begrüßungspaket mit weiteren Küchenutensilien wie Pfannen, Töpfen, Geschirr und Besteck. Solche Maßnahmen sind bei weitem besser als die oft prekären Lebensbedingungen, unter denen Saisonarbeiter in Deutschland leben.

Der Günzburger Landrat betont die Wichtigkeit solcher Mitarbeiterwohnungen für die Zukunft. Unternehmen müssen “das Gesamtpaket anbieten: Arbeitsplatz plus etwas mehr, und dazu gehört die Wohnung”. Legoland, das aktiv Saisonarbeitskräfte in Ungarn, der Slowakei und Bulgarien anwirbt, kann während der Saison diese Art von Unterbringung bereitstellen, jedoch geht es nach der Saison um die Vermittlung echter Wohnungen für Familien, nicht nur um Zimmer für Einzelpersonen.

Die Realisierung dieses Wohnprojekts hat, laut Angabe der Geschäftsführerin, “im mittleren zweistelligen Millionenbereich” gekostet. Für die Unterkünfte wird den Mitarbeitern eine Warmmiete von 200 Euro pro Monat berechnet. Dennoch stellt die steuerliche Behandlung solcher Mitarbeiterwohnungen in Deutschland eine Herausforderung dar – wer eine verbilligte Miete erhält, muss die Differenz zum ortsüblichen Mietspiegel als geldwerten Vorteil versteuern, was finanzielle Nachteile mit sich bringen kann.

Das Günzburger Projekt ist eines der größeren seiner Art. Ähnliche Initiativen, die ehemals für essentiell erachtete Schwesternwohnheime in Krankenhäusern ersetzen, sind auch in von Wohnungsknappheit besonders betroffenen Städten wie München zu beobachten. Oftmals sind solche Projekte aber nur realisierbar, wenn das Bauland nicht erst teuer erworben werden muss, weshalb meist nur wenige Wohnungen entstehen.

Glücklicherweise wurde das Areal, auf dem Legoland steht, gründlich saniert. Der Park wurde auf einem ehemaligen Militärgelände errichtet; im zweiten Weltkrieg diente es als Munitionsanstalt der Luftwaffe und später vergruben US-Soldaten dort 60.000 Bomben, 33.800 Granaten und 2.800 Panzerfäuste. Die Sanierung dieses Geländes kostete 1999 umgerechnet 34 Millionen D-Mark, da Munitionsreste mit toxischen Inhaltsstoffen aufwendig behandelt werden müssen.

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