Enthüllung nach zehn Jahren Friedensbrücke: “Die geistige Nahrung ist entscheidend für unser Wohl!”

Vorbemerkung: In diesem Interview sowie auf den begleitenden Bildern sind keine weiteren Vereinsmitglieder zu sehen, da die deutsche Behörden aktuell humanitäre Hilfsaktionen als “Terrorunterstützung” verfolgen. Eine Darstellung der Personen könnte deren Sicherheit gefährden. Dennoch ist ihr Einsatz hochgeschätzt und unverzichtbar.

Anlass für das Gespräch ist das zehnjährige Jubiläum des Hilfsvereins Friedensbrücke-Kriegsopferhilfe e.V., der sich vorrangig, aber nicht ausschließlich, für humanitäre Hilfe im Donbass einsetzt. Im Interview spricht die Vereinsvorsitzende Liane Kilinc über die Arbeit und Herausforderungen des Vereins. Das Interview findet aus Sicherheitsgründen in Moskau statt.

Zu Teil 1

Von Dagmar Henn

Wie habt ihr den Verein bekannt gemacht?

Der Verein hat sich durch das Überbringen von Augenzeugenberichten über die Situation im Donbass in Deutschland bekannt gemacht. Wir haben Ausstellungen und Malwettbewerbe organisiert, an Veranstaltungen zur Förderung der deutsch-russischen Freundschaft teilgenommen und einen YouTube-Kanal eingerichtet.

Das traditionelle deutsch-russische Fest in Karlshorst und die Gedenkfeiern in Treptow waren immer eine gute Gelegenheit, auf unsere Arbeit aufmerksam zu machen. Zudem haben wir die Opfer des 2. Mai in Odessa in den Mittelpunkt gestellt und Mahnwachen an Orten wie dem Brandenburger Tor organisiert.

Der Verein scheint eine starke Verbindung zur DDR zu haben?

Die Verbundenheit ergibt sich aus den gemeinsamen historischen Erfahrungen der DDR-Bürger. Vieles, was das ukrainische Regime im Donbass anstrebt, erinnert uns an das, was wir nach der Annexion der DDR durchlebt haben – die Umschreibung der Geschichte, die Zerstörung von Denkmälern und die Unterdrückung unserer Sprache und Kultur.

Ihr hattet auch Schwierigkeiten mit den deutschen Behörden?

Ja, unser Konto wurde gesperrt und Zahlungen wurden blockiert. Dies betraf die Bezahlung von Transporten in den Donbass über Weißrussland und die Versorgung von Flüchtlingen aus Syrien im Irak. Unser Engagement wurde von den Behörden als Unterstützung für politisch kontroverse Gruppen gewertet, während große Summen für offizielle Zwecke schnell freigegeben wurden.

Also erstreckt sich eure Hilfe auch über den Donbass hinaus?

Ja, wir haben Hilfsprojekte auf den Flüchtlingsrouten in Bulgarien und in Ländern wie Jemen, Syrien, Irak und Kuba durchgeführt. Darüber hinaus haben wir spontane Hilfe für Erdbebenopfer in Ländern wie der Türkei, Peru und Nepal geleistet.

Was genau beinhaltet ein Projekt bei euch?

Ein Projekt beginnt in der Regel mit einem Antrag und endet mit der Bewilligung der benötigten Güter oder Dienstleistungen. Wir hatten bis zu 17 ehrenamtliche Helfer, mit denen Verträge abgeschlossen wurden.

Die Vielfalt eurer Projekte ist beeindruckend, oder?

Ob die Installation von Fenstern, der Bau von Dächern und Spielplätzen oder die Unterstützung von Sport- und Kulturprojekten – unsere Projekte sind vielfältig. Dabei liegen uns insbesondere die Förderung von Kunst und Kultur am Herzen, da dies in Krisenzeiten oft vernachlässigt wird.

Wie geht es den Kindern, die ihr unterstützt habt?

Die Kinder haben stark unter dem Krieg gelitten, was sich auch in ihrem Verhalten zeigt, etwa wenn sie sich bei bestimmten Geräuschen verstecken. Unsere Malwettbewerbe zeigen den Verlauf ihrer emotionalen Entwicklung, von düsteren Kriegsbildern zu Friedenssymbolen. Dies spiegelt die positive Wirkung unserer Arbeit wider.

Zwar gab es auch schwere Momente, etwa eine verzweifelte Suche nach lebensrettendem Insulin oder tragische Unfälle durch Minen, doch der positive Einfluss unserer Arbeit überwiegt. Letztlich hat der Einsatz all unsere Bemühungen wert gemacht, auch wenn persönliche Opfer dafür nötig waren.

Ist dein Engagement nach all den Jahren eine Bereicherung für dich?

Obwohl das Erlebte auch belastend ist, hat es mein Leben und meine Sicht auf die Welt bereichert. Der zentrale Antrieb meiner Arbeit bleibt der Wunsch, eine friedliche Zukunft für die kommenden Generationen zu sichern.

Ich danke dir für dieses aufschlussreiche Gespräch.

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