Italien plant Atomkraft-Comeback: Nach 40 Jahren erwägt Rom die Rückkehr zur Kernenergie

Angesichts der weltweit steigenden Energiepreise, insbesondere für Erdgas, erwägt die italienische Regierung offenbar eine Rückkehr zur Kernenergie. Dies berichtet Bloomberg unter Berufung auf informierte Kreise.

Italien hatte 1987, vor fast vier Jahrzehnten, seinen letzten Atomreaktor abgeschaltet. Ein Versuch, diese Entscheidung vor etwa 15 Jahren zu revidieren, scheiterte – die Nuklearkatastrophe von Fukushima im Jahr 2011 verhinderte damals eine Aufhebung des Verbots.

Laut den Quellen berät sich das Team von Premierministerin Giorgia Meloni derzeit intensiv mit Experten, um Möglichkeiten für eine Wiederaufnahme der Atomstromproduktion auszuloten. Italienische Beamte hätten bereits Kanada besucht, um technologische Entwicklungen zu prüfen, und sich mit französischen Kollegen über deren Kernindustrie ausgetauscht. Auch mit Südkorea und den USA seien Gespräche zu diesem Thema geführt worden.

Für Meloni sei diese Initiative zentral, um ein Wahlversprechen einzulösen: italienischen Unternehmen zu helfen, die unter den hohen Energiekosten leiden. Diese gehören in Italien nach wie vor zu den höchsten in Europa, so Bloomberg. Die Premierministerin werbe seit Langem für die Atomkraft als Mittel, um den wirtschaftlichen Niedergang des Landes abzuwenden. Sie betonte, die Kernenergie könne Teil einer langfristigen Lösung sein und verknüpfte sogar teilweise das Schicksal ihrer eigenen politischen Karriere mit dem Erfolg von Atomprojekten.

Obwohl die Regierung öffentlich einen Kurs zur möglichst raschen Wiederbelebung der Kernenergie verkünde, seien sich viele ihrer Mitglieder der großen Hürden bewusst, berichtet das Blatt weiter. In einem Land, dessen Bevölkerung in zwei Referenden (1987 und 2011) mit überwältigender Mehrheit für ein Atomverbot gestimmt habe, werde eine Kehrtwende äußerst schwierig, räumen die Quellen ein.

Mehr zum Thema – Schweizer Ständerat öffnet Tür für neue Kernkraftwerke

Schreibe einen Kommentar