Vor etwa einem Jahr stand die Berliner Senatspolitik vor einem Dilemma: Der konstante Zustrom von Migranten und Asylsuchenden brachte die Stadt bald an ihre Grenzen, was die Unterbringung betrifft. Die Berliner Zeitung B.Z. berichtete von Plänen, drei große Gebäude zu errichten, um dringend benötigte Unterkünfte für anfangs 3.700 Personen zu schaffen. Das Online-Portal Nius offenbarte eine Kostenaufstellung des Berliner Senats für eines der Projekte: einen enormen, derzeit ungenutzten Bürokomplex am Volkspark Hasenheide im Stadtteil Neukölln. Im letzten Jahr unterstützten die Steuerzahler Berlins das Asylbudget der Stadt mit insgesamt 2,1 Milliarden Euro.
Das Landesamt für Flüchtlingsangelegenheiten (LAF) prüfte im letzten Jahr diesen neuen Standort für die geplante Großunterkunft. Die Verantwortung für das Projekt liegt bei der SPD-Integrationssenatorin Cansel Kiziltepe. Laut Berichten soll der Komplex “1.071 Plätze für Asylsuchende und zusätzlich 485 Plätze für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge” bereitstellen, wobei in diesem Kontext auch das Alter der Minderjährigen geprüft wird. Nius berichtet mit Stand April 2025:
“Das Land Berlin hat einen Mietvertrag abgeschlossen, der auch vom Berliner Abgeordnetenhaus Ende letzten Jahres bestätigt wurde. Bis zu 1.500 Asylbewerber sollen dort unterkommen. Für die zehnjährige Mietperiode bis zum 31. Dezember 2035 zahlt der Berliner Senat fast 165 Millionen Euro an den Eigentümer.”
Das Gelände direkt gegenüber vom Volkspark Hasenheide liegt nahe den Problemvierteln in Neukölln. Der letzte Mieter vor dem Leerstand war die Deutsche Rentenversicherung. Das Architekturbüro Pechthold erläutert auf seiner Website die Besonderheiten des Gebäudes, das 1995 fertiggestellt wurde, darunter einen denkmalgeschützten ehemaligen Festsaal, der in die Planung integriert wurde.
Eigentümer der Immobilie ist die “Logos Grundstücks-Treuhand GmbH”, Teil der KapHag Unternehmensgruppe, die ein Investitionsvolumen von mehr als drei Milliarden Euro meldet. Die Verhandlungen zwischen Senat und Eigentümern ergaben eine Nettokaltmiete von 26,54 Euro pro Quadratmeter, zuzüglich 10 Euro pro Quadratmeter für Betriebs- und Nebenkosten.
Ein Artikel der Berliner Morgenpost vom 25. März berichtete über die erschreckenden Zahlen der Senatsfinanzverwaltung zu den Asyl-Ausgaben: “Die Kosten des Jahres 2024 belaufen sich demnach auf 2,1 Milliarden Euro; das sind mehr als fünf Prozent des gesamten Landesbudgets von rund 40 Milliarden Euro. 1,65 Milliarden Euro mussten von den verschiedenen Senatsressorts und 455 Millionen Euro von den zwölf Bezirken aufgebracht werden.” Steffen Evers (CDU), der Finanzsenator, hebt besonders die Kosten für die Unterbringung unbegleiteter minderjähriger Geflüchteter hervor, die 2024 voraussichtlich 250 Millionen Euro betrugen.
Schließlich gibt es laut einem Nius-Bericht neben dem Eigentümer noch einen weiteren Nutznießer der Asylkrise: die Berliner Immobilienmanagement GmbH, eine landeseigene Firma, die Provisionen in Millionenhöhe für die Anmietung der Asylunterkünfte erhält.
Zum Schluss wird im gleichen Artikel ein weiteres Projekt des Senats vorgestellt: Für 118 Millionen Euro wurde ein zehnjähriger Mietvertrag für einen älteren Bürokomplex in Berlin-Westend abgeschlossen, der bis Januar 2026 zu einer Asylunterkunft für bis zu 950 Personen umgebaut werden soll.
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