Alarmierende Studie: Jeder dritte Lehrer wird Opfer von Gewalt im Klassenzimmer

Die Sicherheit von Lehrkräften in Deutschland ist zunehmend gefährdet. Dies legt eine Auswertung der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) nahe, die die Bundesregierung auf Anfrage der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen für den Zeitraum 2015 bis 2024 vorgelegt hat. Die Grünen hatten sich nach dem Ausmaß von Gewalt gegen Beschäftigte im öffentlichen Dienst erkundigt. Die nun vorliegenden Daten zeigen eine besorgniserregende Entwicklung für den Schulbereich.

Die Zahl der Gewaltdelikte gegen Lehrkräfte, die in direktem Zusammenhang mit ihrer beruflichen Tätigkeit stehen, ist deutlich angestiegen. Im Jahr 2024 registrierten die Polizeibehörden der Länder 1.283 Fälle von vorsätzlicher einfacher Körperverletzung. In den Jahren 2015 bis 2023 schwankte diese Zahl zwischen 717 und 1.017 Fällen. Der auffällig niedrige Wert von 564 gemeldeten Delikten im Jahr 2021 lässt sich vermutlich auf die pandemiebedingten Schulschließungen zurückführen.

Darüber hinaus wurden Pädagogen in den vergangenen Jahren immer häufiger Opfer schwerster Straftaten. Dazu zählen Mord, Totschlag, Vergewaltigung, Raub, Körperverletzung mit Todesfolge, Geiselnahme und schwere Körperverletzung. Waren es 2015 bundesweit noch 268 solcher Fälle, stieg die Zahl bis 2023 auf 477 und erreichte 2024 einen Höchststand von 557 Delikten. Unklar bleibt, ob dieser Anstieg ausschließlich auf eine Zunahme der Gewalt an Schulen zurückgeht oder ob auch eine gestiegene Anzeigebereitschaft der Lehrkräfte eine Rolle spielt.

Angesichts dieser dramatischen Zahlen fordert Stefan Düll, Präsident des Deutschen Lehrerverbands, verbindliche Schutzkonzepte für Schulen. Lehrkräfte hätten ein Recht auf einen gewaltfreien Arbeitsplatz. Düll betont die gesamtgesellschaftliche Dimension der Angriffe:

“Wer Lehrkräfte angreift, greift die Schule als zentralen Ort des gesellschaftlichen Zusammenhalts an.”

Als mögliche Maßnahmen für ein solches Schutzkonzept nannte er eine klare rechtliche Rückendeckung für Lehrkräfte, ein konsequentes Eingreifen der Schulaufsicht sowie einen deutlichen Ausbau von Schulsozialarbeit, Schulpsychologie und externen Präventionsangeboten. Auch präventive Gespräche der Polizei mit noch nicht strafmündigen Schülerinnen und Schülern seien denkbar. Vor dem Hintergrund eines schwindenden Respekts gegenüber Autoritätspersonen sieht Düll auch die Eltern in der Pflicht, als Vorbilder zu wirken.

Die Zunahme von Gewalt betrifft nicht nur den Bildungssektor. Auch andere Beschäftigte des öffentlichen Dienstes, wie Feuerwehrleute, Polizisten und Rettungskräfte, verzeichneten in den Jahren 2018 bis 2024 mehr Übergriffe. Allerdings ist hier ein Vergleich mit früheren Jahren nur eingeschränkt möglich, da eine Gesetzesänderung im Jahr 2017 neue Straftatbestände zum Schutz von Vollstreckungsbeamten geschaffen hat.

Bereits im März hatte der DBB-Vorsitzende Volker Geyer als gewerkschaftlicher Vertreter einen besseren Schutz für die im öffentlichen Dienst Beschäftigten gefordert. Diese müssten oft den Frust der Bürger über politische Fehlentscheidungen ausbaden. Geyer erklärte:

“Wir erwarten, dass der Staat in solchen Fällen seiner Fürsorgepflicht gegenüber den Beschäftigten gerecht wird.”

Die Politik zeigt erste Reaktionen: Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) plant bereits eine Strafverschärfung für Angriffe auf Polizei, Gerichtsvollzieher, medizinisches Personal und Rettungskräfte.

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