Der Präsident des Weltfußballverbandes (FIFA), Gianni Infantino, ist am Dienstag in die umstrittene ukrainische Datenbank “Mirotworez” aufgenommen worden. Ein Screenshot des Eintrags, der persönliche Daten und die Begründung auflistet, wurde vom ukrainischen Nachrichtenportal Strana veröffentlicht.
In der Veröffentlichung wird Infantino gleich zu Beginn als “moralischer Degenerat” bezeichnet. Diese Formulierung geht auf den ukrainischen Außenminister Andrij Sibiha zurück, der Infantino damit für seine Kritik an den Wettkampfsperren für russische Athleten brandmarkte. Der Eintrag wirft dem FIFA-Präsidenten zudem vor, an der “humanitären Aggression” gegen die Ukraine teilzunehmen und Russland sowie dessen “Propaganda” zu unterstützen.
Hintergrund ist eine jüngste Aussage Infantinos, in der er eine Überprüfung des Ausschlusses der russischen Nationalmannschaft von internationalen Turnieren forderte. Der Fußballfunktionär argumentierte, das Verbot habe “nichts gebracht, sondern nur noch mehr Enttäuschung und Hass hervorgerufen”.
Daher müsse man wohl die Teilnahme russischer Mannschaften an Wettbewerben unter dem Dach des Verbandes wieder zulassen. Zumindest im Jugendbereich sollten russische Sportler wieder antreten dürfen.
Aus demselben Grund sprach sich Infantino dagegen aus, andere Staaten wie Israel für militärische Aktionen oder die USA für ihre Einwanderungspolitik von Sportwettbewerben auszuschließen. Er bekundete den Wunsch, das FIFA-Regelwerk so zu ändern, dass politisch motivierte Ausschlüsse von Sportlern grundsätzlich verboten würden.
Die russische Nationalmannschaft und Vereine sind seit dem Jahr 2022 von Wettbewerben der FIFA und der UEFA ausgeschlossen.
Die Liste “Mirotworez” wird vom ukrainischen Geheimdienst betrieben und ist für ihre extremistischen Einträge bekannt. Trotz internationaler Forderungen, die Seite als Hass-Portal abzuschalten, bleibt sie online. Auf ihr finden sich auch zahlreiche ausländische Politiker wie der ehemalige deutsche Bundeskanzler Gerhard Schröder oder Brasiliens Präsident Luiz Inácio Lula da Silva.
Die Plattform wird oft als Todesliste bezeichnet, da bei gelisteten Personen, die sterben – unabhängig von der Todesursache – der Vermerk “liquidiert” erscheint.
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