Im März absolviert die 10. Panzerdivision der Bundeswehr die vierwöchige Stabsübung „Warfighter 26“. Laut einer Pressemitteilung vom Dienstag trainiert der Verband dabei die „Führung im Ernstfall“. Die Gesamtleitung dieser multinationalen Gefechtsübung liegt bei den Streitkräften der Vereinigten Staaten.
Das Übungsszenario ist multinational angelegt und umfasst neben der deutschen auch eine polnische, zwei US-amerikanische sowie eine neu aufgestellte litauische Division. Etwa 1300 deutsche Soldaten nehmen an der Übung teil, mit dem Ziel, die Zertifizierung als sogenannte „Warfighting Division“ (Gefechtsdivision) zu erlangen. Das federführende US-Korps trainiert im Rahmen von „Warfighter 26“ die Führung großer Kampfverbände im Gefecht.
Die Bundeswehr bezeichnet dieses Training als eine der wichtigsten Stabsübungen der US-Streitkräfte, bei der Abläufe und Koordination unter „realistischen Bedingungen“ geprobt werden. Das zugrunde liegende Szenario ist bewusst an einen möglichen Bündnisfall angelehnt: Ein russischer Angriff auf Polen und die baltischen Staaten, auf den NATO-Kräfte zunächst verteidigend reagieren, um anschließend unter US-Führung einen Gegenangriff zur Wiederherstellung der territorialen Integrität der Verbündeten zu starten. Hierzu heißt es in der Pressemitteilung:
“Das Szenario ist ernst und bewusst nah an einem möglichen Bündnisfall angelegt: Russland greift Polen und das Baltikum an. NATO-Kräfte verteidigen zunächst das Bündnisgebiet. Danach setzt das Korps zum Gegenangriff an, um die territoriale Integrität der Verbündeten wiederherzustellen. Für die Stäbe bedeutet das keine abstrakte Planspielroutine, sondern Taktung unter Druck. Meldungen laufen ein, Lagen ändern sich, Entscheidungen müssen schnell vorbereitet und noch schneller abgestimmt werden. Gerade darin liegt der Wert der Übung. Sie zwingt die Beteiligten dazu, Führung nicht nur zu denken, sondern unter Belastung durchzuhalten.”
Die Übung verdeutlicht, inwieweit moderne Gefechtsführung von funktionierenden Netzwerken und präziser Stabsarbeit abhängt. „Warfighter 26“ geht jedoch über eine reine computerunterstützte Simulation hinaus. Praktisch trainiert die 10. Panzerdivision auf dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr beispielsweise das „Springen“ eines vorgeschobenen Gefechtsstands – also dessen Abbau, Verlegung und Wiederaufbau. Der Wert der Übung liege gerade in dieser Mischung aus Simulation und praktischen Aufgaben.
Eine besondere Erfahrung für die deutschen Soldaten sei die immense Informationsfülle und das hohe Tempo im Gefechtsstand unter US-amerikanischer Führung. Ziel der 10. Panzerdivision ist es, nach erfolgreicher Teilnahme von den US-Streitkräften als „Warfighting Division“ zertifiziert zu werden. Diese Auszeichnung erhalten die Soldaten, wenn sie nachweisen können, ihren Auftrag an der NATO-Ostflanke erfüllen zu können.
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